Wilde Hunde sind in Ostafrika doch nicht ausgestorben

1991 gaben Naturschützer mit Bestürzung bekannt, dass gefährdete afrikanische Wildhunde in der ostafrikanischen Serengeti-Mara-Region ausgestorben seien. Nun zeigt die neueste genetische Studie, dass diese Proklamation möglicherweise verfrüht war – es stellt sich heraus, dass sie mit ziemlicher Sicherheit nicht ausgestorben sind.


Ein Team britischer und US-amerikanischer Forscher analysierte genetisch eine seltene Menge von Proben, die sowohl von den Hunden vor ihrem offensichtlichen Aussterben als auch von neuen Rudeln entnommen wurden, die sich zehn Jahre später im Jahr 2001 auf natürliche Weise in der Gegend wieder angesiedelt hatten.

Bildnachweis:Masteraah


Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass fast alle der neuen Hunde genetisch mit der ursprünglichen Serengeti-Mara-Population verwandt sind, was bedeutet, dass einige Hunde nach 1991 unentdeckt in der Region geblieben sein müssen.

Dr. Barbara Mable von der University of Glasgow leitete die Studie. Sie sagte:

Die Daten deuten darauf hin, dass es in der Region kein vollständiges Aussterben gab, was ermutigend ist.

Mable und Kollegen von den Universitäten Glasgow und Kalifornien fanden außerdem heraus, dass das Verschwinden der Hunde Anfang der 1990er Jahre fast keinen Einfluss auf die genetische Vielfalt der Population hatte. Mable sagte:




Die Vielfalt, die in den sich neu besiedelnden Populationen erhalten bleibt, deutet darauf hin, dass sie sich gut erholen könnten. Ihre Zahl hat nach 2001 rapide zugenommen.

Trotz dieser erfreulichen Nachricht rätseln Wissenschaftler immer noch, warum die Hunde überhaupt verschwanden und dann zehn Jahre später wieder aufgetaucht sind. Mable sagte:

Unsere Ergebnisse können immer noch nicht die rätselhafte Ursache für das Verschwinden so vieler Hunderudel aus dem Überwachungsgebiet erklären. Eine Möglichkeit besteht darin, dass Tiere in nicht regelmäßig überwachten Gebieten außerhalb des Serengeti-Nationalparks zurückgeblieben oder verlegt wurden.

Das Gelände in dieser Region ist ziemlich unzugänglich und von einer Dichte von Bäumen, Büschen und Gräsern geprägt, so dass es nicht einfach ist, den Überblick über wilde Hunde zu behalten, die tendenziell viel unterwegs sind.


Bildnachweis:Greg Hume

Als die Serengeti-Mara-Rudel zum ersten Mal verschwanden, gab es heftige Debatten über die wahrscheinliche Ursache. Kritiker behaupteten, dass die Handhabung durch Tierärzte und Naturschützer ihren Rückgang beschleunigt haben könnte, indem sie irgendwie dazu beigetragen haben, Tollwut und Staupe von Haushunden auf Wildhunde zu übertragen. Mable sagte:

Dies ist jedoch höchst unplausibel und es gab keine konkreten wissenschaftlichen Beweise für diese Behauptungen.

Tatsächlich führte der Schock über das vermutete Aussterben der Hunde dazu, dass die Behörden jedem – auch Tierärzten – den Umgang mit ihnen untersagten. Obwohl dies der beste Ansatz zu sein schien, bedeutete die Kehrseite dieser Haltung, dass Impfprogramme gegen Tollwut und Staupe, die zum Schutz dieser gefährdeten Art beitragen sollten, aufgehalten wurden.


Als sich herausstellte, dass Wissenschaftler vor 1991 und nach ihrer Rückkehr 2001 Proben von den Serengeti-Mara-Wildhunden gesammelt hatten, waren Mable und ihre Kollegen sehr daran interessiert, dies zu untersuchen. Sie wollten sehen, ob sie dem Verschwinden der Hunde im Jahr 1991 auf den Grund gehen könnten.

Afrikanische Wildhunde haben riesige Reviere und legen bis zu 250 Kilometer zurück, um neue Rudel zu gründen. Dies führte dazu, dass die Forscher drei mögliche Vorschläge für die Abstammung der neuen Hunde machten.

Entweder ist die ursprüngliche Population 1991 ausgestorben und das neu gegründete Rudel stammt aus einer völlig anderen Population; die ursprüngliche Population ist überhaupt nicht ausgestorben; oder die neue Population ist eine Mischung aus Hunden aus den ursprünglichen Rudeln und neuen Migranten.

Mable und ihre Kollegen fanden heraus, dass die meisten der neuen Hunde mit dem ursprünglichen Rudel verwandt sind, aber sie fanden auch heraus, dass Hunde aus ganz anderen Populationen es in diese neue Population geschafft hatten. Mable sagte:

Die Hunde sind nicht in die Serengeti selbst zurückgekehrt, was möglicherweise daran liegt, dass sie die wachsende Löwenpopulation dort meiden.

Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von langfristigen Feldprojekten wie diesem, um die genetische Abstammung gefährdeter Tiere zu verfolgen.

Afrikanische Wildhunde werden seit 22 Jahren von der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als gefährdet eingestuft. Andauernde Konflikte mit Menschen, begrenzte Verfügbarkeit ihrer Lieblingsbeute – wie Impala, Greater Kudu und Thomson’s Gazelle – und die Fragmentierung des Lebensraums scheinen für ihren anhaltenden Rückgang verantwortlich zu sein.