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Abraham Melzer

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Abraham Melzer

Die Realitätsflucht des Karl Pfeifer

No. 455
Oktober
1991

A.M., Herausgeber der Zeitschrift »Der Semit« in Dreieich/BRD polemisiert hier gegen den Beitrag von K.P. im Juli-Heft. -Red.

Abraham Melzer bei Wikipedia

Abraham (Abi) Melzer (* 5. Februar 1945[1] in Samarkand) ist ein deutscher jüdischer Verleger, Buchautor und Blogger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melzer wurde in Usbekistan geboren, wohin sein Vater Joseph Melzer vor der nationalsozialistischen Verfolgung als Jude geflohen war. Im Jahre 1948 gelang der Familie die Weiterreise nach Israel. Dort besuchte er die Grundschule. Nachdem seine Familie im Jahre 1958 nach Deutschland zurückgekehrt war, setzte er in Köln und Düsseldorf seine Ausbildung fort. Nach einer Verlagslehre im Werner Verlag, Düsseldorf, und Mitarbeit im Verlag Bärmeier & Nikel, Frankfurt, kehrte er 1968 zur Ableistung seines Wehrdienstes zeitweilig nach Israel zurück.

Tätigkeit im Verlagswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 trat Melzer in den Verlag seines Vaters ein, der 1979 wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht wurde.[2] Im gleichen Jahr gründete er die „Abi Melzer Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Mit Umfirmierung in „Weiss Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ im Jahr 1982 schied er als Geschäftsführer aus, war dann aber von 1986 bis 1987 und von 1988 bis zur Löschung wegen Vermögenslosigkeit 1991 erneut Geschäftsführer.[3] 1976 gründete Abraham Melzer die „"Abi" Melzer Productions Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, die 1990 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht wurde.[4]

1988 gründete Melzer die unregelmäßig erscheinende Zeitschrift SEMIT, die nach der Einstellung 2012 von ihm unter dem ähnlichen Namen Der Semit als Blog fortgesetzt wird.

Im Jahre 2001 kam es zur Neugründung des Melzer Verlages mit jüdischen und israelischen Themen. 2005 veröffentlichte der Verlag Das Ende des Judentums: Persönliche Betrachtungen über Judentum, Holocaust und Israel des Auschwitz-Überlebenden Hajo G. Meyer.[5] Um dieses Buch – in dem Meyer den Holocaust als eine „Laune der Geschichte“ bezeichnet, über eine zukünftige Absicht der Juden auf die Weltherrschaft spekuliert und die israelische Politik mehrfach mit der der Nationalsozialisten vergleicht – entspann sich ein medienwirksamer Rechtsstreit mit dem Publizisten Henryk M. Broder, in dem dieser durchsetzen konnte, dass er dem Verleger bzw. Autor des Buches Antisemitismus vorwerfen durfte:

„Er darf beide ‚Kapazitäten für angewandte Judäophobie‘ nennen und erklären, sie hätten ‚den Adolf gemacht‘. Nur die Äußerung der Ansicht, Melzer fülle eine Lücke mit ‚braunem Dreck‘, wurde ihm untersagt.“[5]

2012 schloss Melzer seinen Verlag erneut, um 2016 den Cosmics Verlag zu gründen.

Antizionistischer Aktivismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melzer hat seinen politischen Weg als einen vom Zionisten über den Nichtzionisten zum Anti-Zionisten beschrieben.[6] Gemeinsam mit Henryk Broder hat er schon während seiner Ausbildungszeit die Zeitschrift KONTAKTE für deutsch-jüdische Freundschaft publiziert. Mit der Zeit entwickelte Melzer sich zu einem Kritiker der Besatzungs- und Siedlungspolitik des Staates Israel und begann Bücher „israelkritischer“ Autoren in seinem Verlag zu veröffentlichen. Melzers Aktivitäten stießen insbesondere im deutschen Judentum nicht auf ungeteilten Zuspruch – selbst seine Mutter Miriam schrieb: „Abi, das sind schlimme Lügen, warum tust Du das?“[7] Zu Melzers Autoren zählt u. a. Ted Honderich, der in dem bei Melzer erschienenen Traktat Nach dem Terror die Ansicht vertritt, dass „die Palästinenser mit ihrem Terrorismus gegen die Israelis ein moralisches Recht ausgeübt haben“. Melzers Zusammenarbeit mit Hajo Meyer führte zu einer erbitterten Kontroverse mit seinem früheren Freund Broder. Dieser warf ihm vor, dass er eine Lücke entdeckt habe, die er „fleißig mit braunem Dreck füllt“. Er und Meyer seien „Kapazitäten für angewandte Judeophobie“. Das Landgericht Frankfurt am Main untersagte zunächst Broder beide Äußerungen. Die Formulierung „Wie zwei Juden für die Leipziger den Adolf machen“ ließ es hingegen als zulässige Meinungsäußerung gelten.[8] Das Oberlandesgericht Frankfurt hielt am 8. November 2007, auf Berufung von Broder, nur die Untersagung der „braune Dreck“-Formulierung aufrecht. Alles Andere sei von der Meinungsfreiheit gedeckt, welche auch ausfällige, überzogene und herabsetzende Äußerungen umfasse; dies gelte insbesondere bei einer „freiwillig erfolgten Beteiligung an einem provokant geführten Meinungsstreit“.[9]

Am 23. September 2016 sollte Melzer in Zusammenarbeit mit dem Verein „Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel e.V.“ im städtisch geförderten Münchener Eine-Welt-Haus einen Vortrag mit dem Titel „Antisemitismus heute“ halten. Das Eine-Welt-Haus zog die Raumzusage nach einer Intervention des Münchner Kulturreferenten Küppers zurück, für den es nahe lag, „dass in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten wird“. Auch Stadtrat Dominik Krause von den Grünen verurteilte die Veranstaltung und verwies darauf, dass im Flugblatt für die Veranstaltung explizit die Rede von „ethnischen Säuberungen“ durch Israel sei und palästinensischer Terror gerechtfertigt werde.[10] Nachdem Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gegen die Vermietung von Ersatzräumen intervenierte und dabei Melzer vorwarf, er sei „für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt“, ließ Melzer ihr dies per einstweiliger Verfügung durch das Landgericht München I untersagen.[11][12] Im Hauptsacheverfahren wies das Gericht die Klage jedoch ab, da sie drei Aussagen von Melzer benannt habe, die sie laut Gericht als antisemitisch beurteilen durfte.[13]

Als Melzer am 13. Oktober 2017 im Saalbau Gallus in Frankfurt am Main eine Lesung seines Buches Die Antisemitenmacher halten wollte, stornierte die städtische Betriebsgesellschaft des Gebäudes jedoch den Mietvertrag und bezog sich dabei auf einen Beschluss im Haupt- und Finanzausschuss des Frankfurter Stadtrates, dass man Antisemitismus keinen Raum geben und daher der Israel-Boykott-Bewegung BDS keine Räume mehr vermieten wolle.[14] Der Vortrag konnte an einem anderen Ort stattfinden.[15]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsche und Juden – ein unlösbares Problem. 1966
  • Israel vor Gericht. Essays eines antizionistischen Juden. Zambon, Frankfurt, 2015
  • Die Antisemitenmacher. Deutschland, Israel und die neue Rechte; auch unter dem Titel Die Antisemitenmacher: Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert. Westend, Frankfurt/Main, 2017

Als Herausgeber bzw. Verleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melzers Comic-Reader. Melzer, Darmstadt, 1975.
  • Ted Honderich: Nach dem Terror. Melzer, Neu-Isenburg, 2003.
  • Das Beste aus Semit, das jüdische Magazin. Melzer, Neu-Isenburg, 2004.
  • Hajo Meyer: Das Ende des Judentums. Der Verfall der israelischen Gesellschaft. Melzer, Neu-Isenburg, 2005.
  • Uri Avnery: Judenstaat oder Israel. Plädoyer für eine „Semitische Union“. Melzer, Neu-Isenburg, 2009
  • Ted Honderich: Humanität und Terrorismus. Palästine, 9/11, Irak, 7/7. Melzer, Neu-Isenburg, 2010.
  • Martin Buber: Politische Schriften. Zweitausendeins, Frankfurt/Main, 2010
  • Bericht der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen über den Gaza Konflikt („Goldstone Report“). Melzer, Neu-Isenburg, 2010
  • Diana Carminati, Alfredo Tradardi: Israel-Boycott: ein gewaltfreies Vorgehen. Zambon, Frankfurt/Main, 2011
  • Ilan Pappe: Was ist los mit Israel: Die zehn Hauptmythen des Zionismus. Cosmics, Neu-Isenburg, 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Curt Vinz, Günter Olzog: Dokumentation deutschsprachiger Verlage, Band 4, S. 331 (Google Books)
  2. Handelsregisterblatt HRB 1684 des Amtsgerichts Darmstadt
  3. Handelsregisterblatt HRB 982 und 1791 des Amtsgerichts Langen
  4. Handelsregisterblatt HRB 624 des Amtsgerichts Langen
  5. a b Alex Feuerherdt: „Den Adolf gemacht“ In: Tagesspiegel. 9. November 2007
  6. [1]
  7. Zeitschriften - Abi, warum tust du das?, Der Spiegel 39/1989, Seite 265f
  8. FAZ über LG Frankfurt 21.01.2006
  9. OLG Frankfurt auf JURIS
  10. Felix Müller: Antisemitismus-Vorwurf: Stadt verbietet linke Veranstaltung im Eine-Welt-Haus. www.merkur.de, 22. September 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  11. Jakob Wetzel: Knobloch verliert vor Gericht. www.sueddeutsche.de, 30. November 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  12. LG München I, Endurteil v. 30. November 2016 – 25 O 17754/16
  13. LG München I: Knobloch gewinnt Rechtsstreit um Antisemitismusvorwurf auf beck-aktuell.de
  14. Frankfurter Rundschau: Antisemitismus-Vorwurf in Frankfurt: Abraham Melzer darf nicht lesen. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 19. Oktober 2017]).
  15. vgl. Johannes Feest, Israelkritik und Antisemitismus, in: Vorgänge, Heft 220 (2018)

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