Bienen stechen Pflanzen, damit sie blühen


Eine neue Studie hat ergeben, dass Hummeln bei Pollenmangel die Blätter der Pflanzen so schädigen, dass die Blütenproduktion beschleunigt wird.

Hummeln brauchen Blütenstaub, um zu überleben. Aber in unserem sich erwärmenden Klima erwachen Bienen zunehmend aus dem Winterschlaffrüher im Jahr. Was passiert, wenn sie aufwachen, bevor genug Blumen blühen?


Nun hat ein Schweizer Forscherteam herausgefunden, dass die Bienen eine Möglichkeit haben, Fast Food zu bestellen: Sie klemmen mit ihren Mundwerkzeugen in die Blätter von Pflanzen, die noch nicht geblüht haben, und der daraus resultierende Schaden stimuliert die Produktion neuer Blüten die schon Wochen vorher blühen.

Extreme Nahaufnahme des Gesichts einer Hummel mit Antennen, großen sichelförmigen Augen und spitzen Mundwerkzeugen, die durch ein Blatt kleben.

Hummel, die ein Blatt sticht. Bild über Hannier Pulido /ETH Zürich.

BiologeMark Mescherder ETH Zürich ist Co-Autor der Studieveröffentlicht22. Mai 2020, impeer-reviewedTagebuchWissenschaft. Mescher sagte in aStellungnahme:

Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass verschiedene Arten von Stress Pflanzen zum Blühen bringen können, aber die Rolle von Bienenschäden bei der Beschleunigung der Blütenproduktion war unerwartet.




Nach ameldenWissenschaft:

Die Forschenden der ETH Zürich sind zufällig auf die Entdeckung gekommen, als sie bei der Untersuchung, wie Bienen auf Pflanzengerüche reagieren, merkwürdige Bissspuren auf Blättern bemerkten. Sie hatten Hummeln in ein Forschungsgewächshaus eingebaut und beobachteten, wie sie Löcher in Form von Halbmonden schnitten. Was ist passiert? Zuerst dachten die Forscher, die Insekten könnten sich von Flüssigkeit aus den Blättern ernähren, aber die Bienen blieben nicht lange genug, um viel zu bekommen. Sie schienen auch keinen Teil der Blätter in ihre Kolonien zurückzubringen.

Hummel klammert sich an ein Blatt mit sichtbaren Mundwerkzeugen, die durch das Blatt ragen.

Eine Hummel durchbohrt mit ihrer Zunge ein Blatt. Bild über Hannier Pulido/ETH Zürich.

Die Forscher konnten anhand ihrer Untersuchungen im Feld und im Labor zeigen, dass die Neigung der Hummeln, Blätter zu schädigen, stark mit der Pollenmenge korreliert, die sie aufnehmen können: Das heißt, Bienen schädigen Blätter viel häufiger wenn ihnen wenig oder kein Pollen zur Verfügung steht. Sie fanden auch heraus, dass Schäden an Pflanzenblättern dramatische Auswirkungen auf die Blütezeit bei zwei verschiedenen Pflanzenarten hatten. Tomatenpflanzen, die Hummelstichen ausgesetzt waren, blühten bis zu 30 Tage früher als diejenigen, die nicht angegriffen wurden, während Senfpflanzen etwa 14 Tage früher blühten, wenn sie von den Bienen beschädigt wurden.


ETH Zürich biologistConsuelo De Moraesist Mitautor der Studie. Siegenannt:

Der Bienenschaden hatte einen dramatischen Einfluss auf die Blüte der Pflanzen – ein noch nie zuvor beschriebener … Hummeln haben möglicherweise eine wirksame Methode gefunden, um den lokalen Pollenmangel zu mildern. Auf unseren offenen Feldern wimmelt es auch von anderen Bestäubern, die ebenfalls von den Bemühungen der Hummeln profitieren können.

Aber,sagten die Forscher, bleibt abzuwarten, ob dieser Mechanismus ausreicht, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Insekten und Blütenpflanzen haben sich gemeinsam entwickelt und teilen eine lange Geschichte, die ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Ausblühungen und Bestäuberentwicklung schafft. Die globale Erwärmung und andere anthropogene Umweltveränderungen haben jedoch das Potenzial, den Zeitpunkt dieser und anderer ökologisch wichtiger Interaktionen zwischen den Arten zu stören. Solch schnelle Umweltveränderungen könnten beispielsweise dazu führen, dass Insekten und Pflanzen in ihrer Entwicklung immer mehr aus dem Takt geraten. Mescher sagte:

… Und das ist etwas, was beide Seiten zu verlieren haben.


Fazit: Eine neue Studie zeigt, dass Hummeln bei Pollenmangel die Blätter von Pflanzen durchbohren, um sie zu zwingen, schneller Blüten zu produzieren.

Quelle: Hummeln schädigen Pflanzenblätter und beschleunigen die Blütenproduktion, wenn Pollen knapp sind

Via ETH Zürich