Erstes Walskelett der Antarktis mit neun neuen Tiefseearten gefunden

Die Forschung, an der die University of Southampton, das Natural History Museum, der British Antarctic Survey, das National Oceanography Center (NOC) und die Oxford University beteiligt sind, wurde heute in Deep-Sea Research II: Topical Studies in Oceanography veröffentlicht.


„Die größten Tiere des Planeten sind auch Teil der Ökologie der sehr tiefen Ozeane und bieten Tiefseetieren für viele Jahre nach ihrem Tod einen reichen Lebensraum mit Nahrung und Schutz“, sagt Diva Amon, Hauptautorin der Studie mit Sitz an der Universität of Southampton Ocean and Earth Science, die im NOC ansässig ist, und das Natural History Museum. „Die Untersuchung der Überreste dieses südlichen Zwergwals gibt Aufschluss darüber, wie Nährstoffe im Ozean recycelt werden, was in unseren Ozeanen ein weltweit wichtiger Prozess sein könnte.“

Walskelett

Rückgrat des Walskeletts auf dem Meeresboden. Bild mit freundlicher Genehmigung von NERC


Weltweit wurden bisher nur sechs natürliche Walskelette auf dem Meeresboden gefunden. Wissenschaftler haben zuvor Walkadaver, bekannt als „Walfall“, untersucht, indem sie Knochen und ganze Kadaver versenkten. Trotz großer Walpopulationen in der Antarktis wurden Walfälle in dieser Region bisher nicht untersucht.

„Im Moment ist die einzige Möglichkeit, einen Walfall zu finden, mit einem Unterwasserfahrzeug direkt über einen zu navigieren“, sagt Co-Autor Dr. Jon Copley von der University of Southampton Ocean and Earth Science. Die Erforschung eines Unterwasserkraters in der Nähe der Südlichen Sandwichinseln bot Wissenschaftlern genau diese zufällige Begegnung. „Wir beendeten gerade einen Tauchgang mit dem ferngesteuerten britischen Fahrzeug Isis, als wir in der Ferne eine Reihe blasser Blöcke erblickten, die sich als Walwirbel auf dem Meeresboden herausstellten“, fährt Dr. Copley fort.

Wenn ein Wal stirbt und auf den Meeresboden sinkt, streifen Aasfresser schnell sein Fleisch ab. Im Laufe der Zeit besiedeln dann andere Organismen das Skelett und verbrauchen nach und nach die restlichen Nährstoffe. Bakterien bauen beispielsweise die in Walknochen gespeicherten Fette ab und liefern wiederum Nahrung für andere Meeresbewohner. Andere Tiere, die allgemein als Zombiewürmer bekannt sind, können auch Walknochen verdauen.

„Eines der großen verbleibenden Geheimnisse der Tiefseebiologie ist, wie sich diese winzigen Wirbellosen zwischen den isolierten Lebensräumen dieser Walkadaver auf dem Meeresboden ausbreiten können“, sagt Co-Autor Dr. Adrian Glover vom Natural History Museum. „Unsere Entdeckung schließt wichtige Wissenslücken.“




Das Team untersuchte das Walskelett mit hochauflösenden Kameras, um die auf den Knochen lebenden Tiefseetiere zu untersuchen und Proben zur Analyse an Land zu sammeln. Forscher vermuten, dass sich das Skelett seit mehreren Jahrzehnten auf dem Meeresboden befunden hat. Proben zeigten auch mehrere neue Arten von Tiefseekreaturen, die auf den Überresten des Wals gedeihen, darunter ein 'knochenfressender Zombiewurm', bekannt als Osedax, der sich in die Knochen gräbt, und eine neue Art von Asseln, ähnlich der Asseln, die über das Skelett kriecht. Es gab auch Napfschnecken, die mit denen identisch waren, die an nahegelegenen vulkanischen Schloten in der Tiefsee lebten.

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