FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1995 » No. 496-498
Andreas Mayer • Klaus Taschwer

»Rassismus« im Museum

Zur Popularisierung anthropologischen Wissens im Wiener Naturhistorischen Museum [1]

Im August 1993 erschien in der naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift ›Nature‹ unter dem Titel »Racial Science« ein längerer Leserbrief, der die anthropologische Schausammlung des Naturhistorischen Museums in Wien zum Gegenstand hatte. Der englische Anthropologe Adam Kuper hatte das Museum besucht und war über die »ziemlich eindeutige Bestätigung von naziähnlicher Rassenforschung (quite unequivocal endorsement of Nazilike racial Science)« erstaunt. Als man ihm versicherte, daß die Schausammlung nicht — wie von ihm angenommen — ein Relikt aus der Nazi-Zeit darstellte, sondern erst in den späten siebziger Jahren eingerichtet worden war, sah er sich dazu veranlaßt, die anthropologische Scientific Community dazu aufzurufen, entsprechenden Druck auf die Verantwortlichen im Museum und auf die Öffentlichkeit auszuüben, um dieser »Travestie« (Kuper) ein Ende zu bereiten. [2]

Rund um diesen Leserbrief gab es auch in österreichischen Tageszeitungen und Wochenzeitschriften einige Beiträge, die sich kritisch mit der Schausammlung der anthropologischen Abteilung im Naturhistorischen Museum beschäftigten. Bereits einige Monate vor Kupers Aufruf hatte der Wiener Humanbiologe Horst Seidler »die klischeebeladene Perspektive der dort vorgeführten Menschheitskategorisierung« kritisiert und angemerkt, wie sehr die Präsentation den Standards der modernen Forschung nachhinke. [3] Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kam es sogar zu einer parlamentarischen Anfrage der Grünen an den zuständigen Minister Busek, die jedoch zu keinen grundlegenden Veränderungen führte. [4]

Diese Stellungnahmen werfen einige Fragen auf: Wie konnte es dazu kommen, daß Ende der siebziger Jahre eine anthropologische Ausstellung konzipiert wurde, die augenscheinlich rassistisch ist? Ist es überhaupt legitim hier von einer »ziemlich eindeutigen Bestätigung von naziähnlicher Rassenforschung« zu sprechen? Wir wollen uns in diesem Aufsatz nun nicht mit der Denunziation von »Rassismus« im Museum begnügen, sondern vielmehr die historische Genese dieses »veröffentlichten« Wissens rekonstruieren und seine Struktur und Wirkung analysieren. Dafür wird es nötig sein sich zunächst den wichtigsten Ausstellungen von »Rassen« seit 1935 im Naturhistorischen Museum zuzuwenden, um so — trotz der mehrmaligen Umgestaltung der anthropologischen Schausammlung — Kontinuitäten in der Popularisierung der »Rassenkunde« aufzeigen zu können.

Zur Geschichte der »Rassenkunde« in Österreich

Die Anthropologie als wissenschaftliche Disziplin stand seit dem 19. Jahrhundert in enger Verbindung mit dem Projekt der modernen Nationalstaaten und ihrer Bevölkerungspolitik. Dabei kam es in Europa und den USA zur Ausbildung von Forschungsbereichen wie Eugenik und Rassenhygiene, die die staatliche Steuerung und Kontrolle der menschlichen Erbgesundheit garantieren sollten. In Deutschland avancierten diese Disziplinen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu zentralen Wissenschaften, da der eugenische Gedanke ein Grundelement der nationalsozialistischen Ideologie bildete. [5] Eine tendenzielle Verengung der Anthropologie zur deutschen Rassenkunde hatte sich bereits ab der Jahrhundertwende abgezeichnet. Und auch die österreichische Forschungslandschaft strukturierte sich dementsprechend um: So wurde der Lehrstuhl für Ethnographie und Anthropologie an der Universität Wien 1924 mit dem Hamburger Otto Reche nachbesetzt, der bereits ein Jahr darauf die »Wiener Gesellschaft für Rassenpflege (Rassenhygiene)« mitbegründete. In der Eröffnungssitzung plädierte Reche für eine staatlich organisierte Kontrolle der Rassenhygiene: »Daß der Staat zu Maßnahmen verpflichtet ist, geht aus seinem innersten Wesen, aus seinem Zweck hervor: soll er doch ausschließlich für das gesunde Dauerdasein des Ganzen sorgen. Der Staat ist seiner Machtfülle wegen auch gar nicht als Kampfgenosse zu entbehren.« [6] Reche war in dieser Zeit rege bemüht, ein Netzwerk aufzubauen, dem nicht nur die Eugeniker Baur und Fischer, der Verleger Lehmann und der Architekt Schultze-Naumburg angehörten, sondern auch der Polizeipräsident Johannes Schober und der Wiener Landesgerichtsrat Anton Rolleder. [7] Die Allianz mit dem Staat, die Professionalisierungsstrategien nach »innen« und die zunehmende Popularisierung nach »außen« bestimmten die Politik der sich etablierenden Disziplin.

Schon zu Beginn der zwanziger Jahre kam es unter den österreichischen Anthropologen, die in der Wiener Gesellschaft für Anthropologie organisiert waren, zu einer wohlwollenden Rezeption der deutschen »Rassenhygieniker«. Diese Gesellschaft war zu dieser Zeit bereits durch ihren Präsidenten Rudolf Much und mehrere andere Funktionsträger mit illegalen Nationalsozialisten besetzt. [8] Ihnen standen jedoch einige katholisch-konservative Forscher wie Viktor Lebzelter gegenüber, der der reichsdeutschen Rassenkunde zunächst mit Skepsis begegnete, da er die Wissenschaftlichkeit der Eugenik durch die deutschnationale Ideologie gefährdet sah. [9]

Nach dem Wechsel Otto Reches 1927 nach Leipzig wurde die Doppelkanzel geteilt, und der Wiener Anthropologe Josef Weninger erhielt den Lehrstuhl für physische Anthropologie. In den nächsten zehn Jahren wandte man sich nun mit Unterstützung des austrofaschistischen Staates verstärkt der Erbbiologie und Familienanthropologie zu. Dementsprechend programmatisch fiel etwa Weningers Rede anläßlich der Enthüllung des Denkmals für seinen Lehrer Rudolf Pöch 1933 in der Wiener Universität aus, bei der jener den Rassenhygieniker Eugen Fischer zustimmend zitierte: »Es muß einmal mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß die Anthropologen alles, was später auch getan werden kann, bei Seite lassen müssen, um der menschlichen Genetik eine wirkliche Basis zu schaffen. [...] Was der Anthropologie nottut, ist Erbforschung und noch einmal Erbforschung«. [10] Die von Weninger und seinem Assistenten Eberhard Geyer abgehaltenen rassenkundlichen und erbbiologischen Veranstaltungen erlebten in dieser Zeit einen starken Hörerzuwachs. [11] Im Zuge dieses Aufschwungs kam es auch zur Gründung einer »Erbbiologischen Arbeitsgemeinschaft«, die unter Weningers Leitung stand und zunächst vor allem Gerichtsgutachten in Vaterschaftsstreitigkeiten erstellte. [12]

Zwischen dem Institut für Anthropologie der Universität, der Wiener Anthropologischen Gesellschaft und der anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums bestanden enge personelle Verflechtungen. Und damit war auch eine nahtlose Verbindung von der im akademischen Raum betriebenen Anthropologie zur öffentlichen Präsentation anthropologischen Wissens gegeben. [13]

Die ethnographisch-anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums war in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts noch mehr ein Ort der Forschung als des Ausstellens. Zwar gab es schon am Ende des 19. Jahrhunderts eine anthropologische Ausstellung, diese wurde jedoch nur kurzer Zeit wieder geschlossen, »da sie sich als ungeeignet erwiesen haben soll«. [14] Ab 1920 intensivierten die Anthropologen ihre Öffentlichkeitsarbeit: So hielten sie etwa in der Wiener Urania Vortragszyklen zum Themenkreis »Rassenkunde und Rassenhygiene« ab. Referenten waren unter anderem Josef Weninger, Rudolf Pöch, der Mediziner Robert Stigler, sowie der sozialdemokratische Arzt und Sozialhygieniker Julius Tandler. Die museale Popularisierung nahm dagegen erst zu Beginn der dreißiger Jahren ihren Anfang und erlebte zur Zeit des Nationalsozialismus einen Höhepunkt. Diese Bewegung gilt es im folgenden nachzuzeichnen.

Das erste »rassenbiologische Museum«

Nachdem die anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums 1927 ihre Eigenständigkeit erlangt hatte, wurde Anfang der dreißiger Jahre auf Initiative des Direktors Hofrat Michel eine »permanente Schausammlung über Familienbiologie, Familienhygiene und Familienschutz« eingerichtet. Unter der Leitung von Viktor Lebzelter, der zu dieser Zeit die anthropologischen Abteilung leitete, wurden mithilfe mehrerer Universitätsinstitute, der Bundesämter für Statistik und Volksgesundheit sowie des Mutterschutzwerks der Vaterländischen Front ganze acht (!) Schauräume gestaltet. [15] Die Themen reichten von »allgemeiner Vererbungslehre und Mendelismus« über »Geschlechtskrankheiten« bis hin zu »quantitativer Biologie und Bevölkerungsstatistik« sowie »aktivem Familienschutz«. Eineinhalb Räume waren außerdem der »Erbforschung am gesunden Menschen« gewidmet. Dieses »rassenbiologische Museum« [16] war eines der ersten seiner Art und bildete eine eindrückliche Präsentation von interdisziplinär konzertierter Rassenforschung zur Zeit des Austrofaschismus. Die Breitenwirkung dieser Ausstellung dürfte nicht allzu groß gewesen sein, sie demonstrierte aber die praktische Nützlichkeit der Familienanthropologie im Dienste des Staates. [17]

Wie sehr man bereits auf die konkrete Umsetzbarkeit der erbbiologischen Forschungen bedacht war, bezeugt der von Eberhard Geyer verfaßte Bericht über den von den Anthropologen gestalteten Teil der Ausstellung: Die Aufstellung von Lichtbildern, Zeichnungen, Plastiken, Familien- und Sippentafeln, die jeweils Ergebnisse staatlich finanzierter Forschungsreisen bildeten, sollte »dem Besucher zeigen, daß beim Menschen genau so wie bei anderen Lebewesen die Mendelschen Erbgesetze gelten«:

In einer Vitrine wird an Originalfamilienbildern gezeigt, wie man mühelos mit Hilfe von Lichtbildern eine bebilderte Ahnentafel zusammenstellen kann und wie Familienbilder beschrieben werden müssen, damit sie jederzeit für familienkundli-che Erhebungen verwendbar sind. [18]

Siehe Schautafel 1 (hinten, S. 79) — Von den in dieser Ausstellung präsentierten »Veranschaulichungen« von rassenkundlicher Theorie zu ihrer Umsetzung in die Praxis der nationalsozialistischen Rassengutachten war es nur noch ein Schritt.

Die Repräsentation von »Rassen« und die radikale Öffnung des Museums im Nationalsozialismus

Mit dem »Anschluß« Österreichs an das Deutsche Reich fanden in der Leitung des Naturhistorischen Museums personelle Umbesetzungen statt. Der Ornithologe Kummerlöwe wurde zum Direktor aller »Wiener wissenschaftlichen Staatsmuseen« ernannt und schon bald darauf, beim 50-Jahr-Jubiläum des Naturhistorischen Museums im Jahre 1939, plädierte er für die Auflösung desselben »als inhaltliche Einheit« und forderte im Rahmen einer radikalen Modernisierung die Neugestaltung und Erweiterung der einzelnen Abteilungen, insbesondere der Anthropologie. Diese sollte in den Rang eines »Anthropologischen Staatsmuseums« erhoben werden. [19]

Im Museum kam es zu entsprechenden Veränderungen in den permanenten Schausammlungen: Sie wurden auf öffentliche Repräsentationen der nationalsozialistischen Rassenlehre abgestimmt und sollten damit ihren Beitrag zur Ausbildung von entsprechenden Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen leisten. So konzipierten die Anthropologen Josef Wastl und Robert Routil in dieser Zeit die Sonderschau »Der Anteil der Ostmark an der Erforschung und Erschließung der deutschen Kolonialgebiete« (1939) sowie die Ausstellung über »Das rassische und seelische Erscheinungsbild der Juden«. Im Gegensatz zu der Wanderausstellung »Der ewige Jude«, die zeitgleich im Wiener Messepalast zu sehen war, trat die im Anthropologischen Staatsmuseum gezeigte Schau mit der Autoritätsgeste der Wissenschaft auf. [20] Dem entsprach auch der Text im Museumsführer:

Eines der wichtigsten Probleme im Rahmen der Gesetzgebung zum Schutze deutschen und (artverwandten) Blutes stellt die Judenfrage dar. Die Geschichte der Juden sowie deren Wanderungen über den Erdball als heimatloses Volk, mit einer starren, Jahrtausende alten und zur Lebensrichtschnur gewordenen Gesetzgebung, die im religiösen Bereich des jüdischen Volkes fest verankert wurde, haben zu einer gewollten Selbstzüchtung geführt, die immer wieder die von H.[ella] Pöch festgestellten Grundrassen des jüdischen Volkes, trotz weitestgehender Bastardisierung mit den Wirtsvölkern, körperlich und seelisch in Erscheinung treten läßt. In alten griechischen und römischen Darstellungen jüdischer Menschen finden sich die gleichen Züge wieder, die sowohl auf den bis 2500 Jahre älteren Kunstwerken aus dem Zweistromland und aus Ägypten, die auch bei den heute lebenden Juden feststellbar sind. Bilder jüdischer Familien zeigen die Vererbung dieser Merkmale. Zahlreiche Statistiken sowie einige bemerkenswerte Aussprüche und Kultgegenstände vervollständigen das seelische Bild der Juden. [21]

Im Rahmen des von Kummerlöwe geforderten Modernisierungsschubs sollte es auch zu einer weiteren Öffnung des Museums kommen, einer Popularisierungsoffensive, die es zuvor in dieser Weise nicht gegeben hatte: So fanden vermehrt Führungen statt, und auch eine Serie von Begleittexten in Heftformat wurde initiiert, die einen programmatischen Titel trug: »Wissenschaft ins Volk«. Deren erste Bände stammten von Wastl und Routil, den Kustoden am Natur historischen Museum, und beschäftigten sich unter rassenkundli-chen Gesichtspunkten mit Neuguinea und Kamerun.

Neben den Führungen und populärwissenschaftlichen Publikationen kam es 1941 aber noch zu einer weiteren bemerkenswerten Aktivität von seiten der Museumsleitung: Es wurden systematisch Wanderausstellungen vorbereitet, die die Werktätigen direkt an ihrem Arbeitsplatz erreichen sollten. So berichtete das ›Neue Wiener Tagblatt‹ von einer Pressekonferenz des Museumsdirektors Kummerlöwe wie folgt: [22]

Die Schaffenden haben wohl nur selten an Werktagen die Möglichkeit, ein Museum zu besuchen, und der Sonntag, der Feiertag gehört eben doch zumeist der Familie und der freien Natur. Wenn die Schaffenden nicht in die Museen kommen können, muß man die Museen zu den Schaffenden bringen, und eben das soll geschehen. [... ] Im Betrieb kann sich der Schaffende, sogar in der kurzen Spanne der Arbeitspause oder nach der Arbeit, Anschauung und Wissen verschaffen, und zwar in der anregendsten Weise. [... ] Die erste derartige Sonderschau, die aus den Wiener Museen in die Betriebe hinausgehen soll, behandelt das Thema: ›Das Hakenkreuz, ein 5000 Jahre altes Sinnbild der Erneuerung und seine Verbreitung in den beiden Erdhälften.‹ Eine zweite Sonderschau bringt die Rassentypen Europas.

Im Hinblick auf die Rassenkunde und ihre Popularisierung in der Zeit des Nationalsozialismus läßt sich also folgendes sagen: Zum einen zeigt sich hier erneut, daß deren Status als zentrale wissenschaftliche Disziplin auch im Museum entsprechende Auswirkungen hatte — nicht zuletzt auch durch die zahlreichen erbbiologischen Gutachten, die von Anthropologen des Naturhistorischen Museums erstellt wurden. [23] Die geforderte Modernisierung und Neugestaltung blieb jedoch aus, was aber vor allem an den kriegsbedingten Einschränkungen lag.

Zum zweiten ist festzuhalten, daß es erst im Nationalsozialismus zu einer offensiveren Museumspolitik kam. Das läßt sich festmachen an der Vervielfachung der Führungen, dem Ausweiten der Öffnungszeiten bzw. der Reduktion des Eintrittspreises. Dazu kamen noch die erstmals in dieser Form aufgelegten Begleittexte und die Versuche, Sonderausstellungen in Betrieben und anderen Kontexten zu plazieren. Zwar muß hier die Frage offen bleiben, von welcher konkreten Bedeutung die anthropologischen Ausstellungen für die Formierung oder Verstärkung rassistischer Wahrnehmungsmuster und Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit waren. Dennoch können wir festhalten, daß diese Repräsentationen der »jüdischen Rasse« — im Gegensatz zu den großen Propagandaausstellungen — zur wissenschaftlichen Legitimierung der nationalsozialistischen Ideologie beitrugen.

Ideologische Brüche und praktische Kontinuitäten

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft und der Befreiung Österreichs galt es auch, die rassistischen Verfehlungen des Anthropologischen Staatsmuseums zu »sühnen«: zum einen wurden einige Rassenforscher in leitenden Positionen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Zum anderen wurde bereits im November 1945 von dem nach dem Krieg wiedereingesetzten Direktor Hofrat Michel in programmatischer Form eine Ausstellung wider die nationalsozialistischen Rassenlehren geplant. [24] Diese Ankündigung die Zeitung ›Neues Österreich unter der Überschrift »Biologische Ausstellung gegen die Irrlehren des Faschismus« folgendermaßen wiedergegeben:

[...] Wie Direktor Michel mitteilt, sind die Zustände, die er [im Museum] angetroffen hat, katastrophal Die Nazi haben im Laufe ihrer Regierungszeit alles, was irgendwie mit Österreich zusammenhing, wie zum Beispiel die Sammlung österreichischer Bodenschätze, die Holzausstellung und die Ausstellung für Familienbiologie, aufgelöst, um dafür eine gänzlich unnötige ›Kolonialschau‹ sowie die berüchtigte ›Judenschau‹ zu zeigen. Es lag ihnen offenbar sehr daran, die Unhaltbarkeit ihrer Rassen-und sonstigen Theorien durch verdrehte Wissenschaft zu untermauern. Wir können gar nicht daran denken, erklärt Hofrat Michel, bereits jetzt mit einer definitiven Lösung aller offenstehenden Fragen zu beginnen. Wir Österreicher werden, als Meister im Improvisieren auch auf diesem Gebiet, vorläufig eine provisorische Lösung einer starren, preußischen vorziehen. [...] Die streng wissenschaftliche Form wird, zumindest für die nächste Zukunft, von der Losung ›Kampf den Irrlehren des Faschismus‹, überschattet werden. Den wichtigsten Beitrag hiezu wird wohl die biologische Abteilung zu leisten haben, deren Aufgabe es sein wird, dem größten Geschrei der Nazi, dem Nazigeschrei von der ›Herrenrasse‹ den Boden zu nehmen. [...] Es ist noch sehr viel zu tun, meint Hofrat Michel, bis das Gedankengut der braunen Zeit ausgerottet sein wird, aber wir werden nicht ruhen, bis es so weit ist, obwohl ein größerer Kampf vor uns liegt als der, den wir bereits beendet haben. [25]

Die angekündigte Gegenausstellung wurde jedoch erst vier Jahre später, im April 1949, eröffnet. Die wissenschaftliche Leitung der Ausstellung hatte der damalige sozialdemokratische Unterrichtsminister Hurdes dem katholisch-national gesinnten Anthropologen Robert Routil übertragen, der bereits zu Beginn der dreißiger Jahre mit den nationalsozialistischen Rassenlehren sympathisiert und diese in der Nazi-Zeit auch popularisiert hatte. [26] Die künstlerische Leitung dagegen lag in den Händen von Victor Slama, der auch einige Teile aus der drei Jahre zuvor eröffneten Anti-Faschismus-Ausstellung »Niemals vergessen!« übernahm. [27]

Ein Jahr vor der Eröffnung der Ausstellung erklärte Hofrat Michel der Zeitung ›Neues Österreich‹ wie man die faschistischen Irrlehren zu widerlegen gedenke. Wie schon in der oben zitierten Programmatik verrät die doppelsinnige Rede auch hier die trotz ideologischer Brüche fortbestehenden Kontinuitäten:

Das von uns ausgestellte Material erbringt den eindeutigen Beweis, daß gerade jene, die auf ihr ›Edelmenschentum‹ gepocht haben, erbmäßig am wenigsten dazu befugt gewesen sind, sich als ›reinrassig‹ zu bezeichnen. Eine eigene Abteilung der Ausstellung wird deshalb die Persönlichkeiten, die als Bahnbrecher der Menschheitsentwicklung gewirkt haben, den sogenannten ›Führern‹ des Dritten Reiches gegenüberstellen.

Zwei große Wandtafeln werden die von den Nazi verfälschten Begriffe ›Anthropologie‹ und ›Rasse‹ erläutern. Auf Spruchbändern wird wissenschaftlich definiert, was unter Rasse, Volk und Nation tatsächlich verstanden werden muß. An zahlreichen Schädelmodellen wird der Nachweis geführt, daß eine Herrenrasse phrenologisch gar nicht denkbar ist und daß diese Fabel von den Nazi einzig und allein aus machtpolitischen Gründen in die Wissenschaft hineingetragen worden ist. [28]

Wie die Aussagen des Museumsdirektors zeigen, spielte die Referenz auf die Wissenschaftlichkeit der Ausstellung eine ganz bedeutende Rolle: Sie allein sollte nicht nur die »Pseudo-Wissenschaft« der Nazis widerlegen, sondern auch die Indoktrination einer neuen Haltung gewährleisten. Um diese wirksam durchzusetzen, wurde auch diesmal die Autoritätsgeste der Wissenschaft bemüht. Daß dabei unter anderem auf die wissenschaftlich längst überholte Phrenologie zurückgegriffen wurde, weist auch auf die Schwierigkeit der österreichischen Anthropologen hin, an andere, »politisch unverdächtigere« wissenschaftliche Traditionen wie Sozial- oder Kulturanthropologie anzuschließen.

Die bei der Ausstellungskonzeption von den Vereinten Nationen bezogene christliche Menschheitsideologie ließ sich dabei mühelos mit der Idee verbinden, »die vielleicht an Lauterkeit und letzter Weisheit kaum ihresgleichen hat: der Gedanke nämlich, daß jeder Mensch einer Mutter Kind ist.« [29] Besonders deutlich kam das in Routils Selbstdarstellung als wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung zum Ausdruck:

Vornehmste Aufgabe jedes Museums muß es sein, die Anthropologie [...] derart zur Darstellung zu bringen, daß den Besuchern die als richtig erkannten Forschungsergebnisse dieser Wissenschaft in verständlicher Weise vorgeführt werden. Umstrittene Probleme sind höchstens anzudeuten und alle Theorien, welche der unbestrittenen biologischen Einheit des Menschheitsgeschlechtes — dem Huxleyschen ›men one family‹ — in Form von Wertungslehren widersprechen, sind als solche zu kennzeichnen. [30]

Der Nationalsozialismus habe »seine Lehre unter anderem auf dem Mißbrauch einer verhältnismäßig jungen, noch in Entwicklung begriffenen Wissenschaft, der Anthropologie« aufgebaut, hieß es demgemäß im Führer durch die Ausstellung. »Eine katastrophale Maßnahme stellten die rassenhygienischen Gesetze dar. So zweckmäßig die Verhütung erbkranken Nachwuchses ist, die auch in anderen Staaten geübt wird, ging deren skrupellose Durchführung aus parteipolitischen Gründen viel zu weit und führte schließlich zur Vernichtung von Menschenleben.« [31] Diese Rhetorik ermöglichte in einem Doppelspiel das Verwerfen der nationalsozialistischen Rassenlehre sowie ihrer politischen Umsetzungen und zugleich die Anerkennung ihrer in den zwanziger Jahren und zuvor gelegten Grundlagen, da diese zur »wissenschaftlichen Widerlegung« derselben bemüht wurden. So konnten die Grenzen von Wissenschaft und Ideologie in einer Weise gezogen werden, die ein nahtloses Anknüpfen an jene Form der Familienbiologie gewährleistete, wie sie im Austrofaschismus gepflegt wurde. [32]

Die Mendelschen Erbgesetze bestimmen uns Menschen
Schautafel 1, zu Seite 77 – Mayer/Taschwer

Auch in den Präsentationsformen der Ausstellung finden wir diesen für Verdrängungsprozesse charakteristischen »Doppelsinn« wieder: Die Bilder tun oft das Gegenteil von dem, was die Texte sagen. So sollte anhand der »Familie Kallikak« gezeigt werden, daß auch der Einfluß der Umwelt auf die Lage der Nachkommen bestimmend wirkt: Ein amerikanischer Soldat zeugt zunächst ein Kind mit einer Schwachsinnigen und heiratet danach ein Mädchen aus gutem Hause. Die Nachkommen der ersten Verbindung waren zu einem hohen Prozentsatz geistig zurückgeblieben oder alkoholsüchtig, während die Kinder aus der zweiten Beziehung gesund waren und der Oberschicht angehörten. In dieser, vom amerikanischen Eugeniker Henry H. Goddard 1912 konstruierten Fallgeschichte, wurden Milieufaktoren völlig außer acht gelassen, [33] ebenso wie auf der Schautafel der Ausstellung.

Das appellative Pathos, das bereits in den Aussagen des Museumsdirektors präsent war, wurde in der Ausstellung durch allgegenwärtigen Spruchtafeln erzeugt. Die Autorität der Wissenschaft setzte man als Gegengift zur nationalsozialistischen Rassenlehre entsprechend pathetisch in Szene: Die Appelle von einst konnten anscheinend nur mit noch stärkerem appelativen Pathos bekämpft werden. Damit wurde zwar eine Ideologie durch eine andere ersetzt, ohne jedoch das autoritäre Grundmuster in der Ausstellungspraxis zu durchbrechen.

Keine »Rassen« ohne »Rassismus«

»Die Menschheit — Eine Familie« wurde trotz der anscheinend recht hohen Besucherfrequenz recht bald wieder geschlossen. 1952 wurde anläßlich des internationalen Anthropologenkongresses eine Ausstellung eingerichtet, die die Entwicklung des Homo erectus bis zu den Kelten zeigte und die bis ins Jahr 1959 zu sehen war. Die nächsten zwanzig Jahre hindurch blieb die anthropologische Schausammlung geschlossen, bis 1978 von dem jetzigen Abteilungsleiter Professor Johann Szilvássy jene Austeilung gestaltet wurde, die, nachdem sie fünfzehn Jahre lang von Hunderttausenden österreichischen Schulkindern und anderen Besuchern besichtigt wurde, ins Schußfeld der Kritik kam.

Szilvássy selbst kann diese Kritik nicht teilen, sondern ist der Meinung, daß die Schausäle der anthropologischen Sammlung ein Besucherhit seien: Als Beispiel führte er an, daß sich angeblich 6500 von 7000 Hobbyphotographen davon inspirieren ließen, als im Rahmen eines Wettbewerbs das Museum mit der Kamera gewürdigt werden sollte. [34] Doch was ist es, das in den Ausstellungssälen gezeigt wird, das 1978 als »besonders geeignet für Schulen« erklärt wurde [35] und 1993 als »ziemlich eindeutige Bestätigung von naziähnlicher Rassenforschung« bezeichnet wurde? Im Saal 16 wird die Entwicklung des Menschen gezeigt, vom Australopithecus über den Homo erectus bis zum Homo sapiens. Im Saal 17, der hausintern als »Rassensaal« gilt, »wird die heute lebende Menschheit mit ihren Rassen vorgestellt«, wie Szilvássy in einem zusammenfassenden Artikel schreibt. Und weiter heißt es da unter anderem:

Wie bei allen Lebewesen kam es auch beim Menschen im Laufe seiner Entwicklung zur Ausbildung von Rassen. Gegenwärtig leben auf unserer Erde drei Großrassen: die Europiden, die Mongoliden und die Negriden. [...] Soweit durch Schädelfunde belegt werden kann, stellen die Europiden die älteste Großrasse dar. [...] Im Gegensatz zu den Europiden entstanden die Mongoliden offenbar später als besondere Anpassungsform. [...] Die Negriden entwickelten sich später als die Europiden, im Vergleich zu den Mongoliden sind sie nur wenig älter. [36]

Bei dieser vorgeblich faktischen Präsentation einer Rassentheorie wurde vor allem auf Portraitphotographien zurückgegriffen, auf welchen die meist in ihrer Tracht abgebildeten Menschen mit eindeutigen Etiketten versehen sind: Der blonde Schwede ist »nordid«, der Schwarzafrikaner »kafirid«, und jenes Schild, auf dem abgebildete Roma und Sinti als »Zigeuner« bezeichnet wurden, wurde erst vor kurzem entfernt. Es scheint also, daß sich in den Schausälen eine Wissenschaftsauffassung konserviert hat, die sich wohl in »populärer« Rassenkunde noch finden läßt, die jedoch gegenüber der Weiterentwicklung der modernen humanbiologischen Forschung bedeutend nachhinkt. Das könnte immerhin die so große »Popularität« der Ausstellung bei den von Szilvássy erwähnten Hobbyphotographen erklären.

Doch was ist nun aber das eigentlich »Rassistische« bzw. Rassendiskriminierende dieser Ausstellung? Die Antwort scheint bereits in der Frage enthalten, denn die gegenseitige konstruierte Abgrenzung von Rassen scheint untrennbar mit einer Hierarchisierung verbunden: sie liegt damit schon im Doppelsinn des Wortes »Diskriminierung« selbst begründet. Alle anthropologischen Ausstellungen im Naturhistorischen Museums bedienten sich einer Form der Klassifikation des Anderen, die auf den ersten Blick alltäglich und damit auch unverdächtig scheint: Diese Repräsentationsform zielt in erster Linie auf eine Reduktion ab, die eine Abgrenzung und Bewertung von Menschengruppen anhand äußerer Merkmale vornimmt. Die dadurch erzeugten Differenzierungen können also nicht als »wertfrei« ausgegeben werden, denn schon im Akt des Klassifizierens selbst werden die wissenschaftlich konstruierten »Rassenmerkmale« in eine hierarchische Ordnung gestellt.

Dinge, die unklassifiziert und namenlos sind, sind fremd, nicht-existent und zugleich erschreckend. [...] Indem das Unklassifizierbare klassifiziert wird und das Nicht-Benennbare benannt wird, können wir es uns vorstellen und repräsentieren. Tatsächlich ist Repräsentation im Grunde ein System der Klassifikation und Denotation, der Verteilung von Kategorien und Namen. Neutralität ist durch die Logik des Systems ausgeschlossen, in dem jedes Objekt und jedes Wesen einen positiven oder negativen Wert haben und einen gegebenen Platz in einer klar abgestuften Hierarchie einnehmen muß. Wenn wir eine Person als Neurotiker, Juden oder Armen klassifizieren, sprechen wir damit nicht einfach von einem Faktum, sondern wir bewerten und etikettieren sie. Und indem wir das tun, verraten wir unsere ›Theorie‹ der Gesellschaft und der menschlichen Natur. [37]

Die konkret gegebenen und als wissenschaftlich autorisierten Orientierungsmarken leisten so der Rede von »minderwertigen« Rassen Vorschub, etwa wenn stets in dieser Reihenfolge von den Europiden, Mongoliden und Negriden die Rede ist und diese noch zusätzlich durch Datierungen in einen eindeutig hierarchischen Zusammenhang gestellt werden (»Im Gegensatz zu den Europiden entstanden die Mongoliden offenbar später als besondere Anpassungsform ...«). Um sich zu einer von allen geglaubten sozialen Realität zu verfestigen, muß die Rasse — die wie alle begrifflichen Konstruktion nicht unvermittelt sichtbar ist — entsprechend medial inszeniert werden: Die Dämonisierung des Anderen wird so durch bestimmte Präsentationsformen geleistet, die die Reduktion auf die »physische« Differenz bildhaft fixieren und kulturell verdoppeln. Das geschieht einerseits durch die Abbildung der Menschen in Trachten und andererseits verstärkt auch die Inszenierung der Gesichtszüge die Wahrnehmung des Nicht-Gemeinsamen.

Jeder Repräsentation von »Rassen« ist somit immer schon ein zumindest latenter Rassismus inhärent. Es verwundert daher nicht, daß dieser manifest wird, wenn der Gestalter dieser Schausammlung in der Tagespresse als Experte auftritt. So hat Szilvássy als wissenschaftlicher Berater einer Serie in der Tageszeitung ›Kurier‹ im August 1993 die Österreicherinnen und Österreicher unter anderem vor »Mischehen« mit Migranten gewarnt, da dies seiner Auffassung nach zu gefährlichen »Veränderungen« in der Erbsubstanz führen könne. [38]

Da die an den damaligen Wissenschaftsminister gerichtete Anfrage der Grünen, die vor allem auf diese Aussagen und die Gestaltung des »Rassensaals« Bezug nahm und Konsequenzen forderte, bis jetzt kaum Folgen gezeitigt hat, scheinen für die unmittelbare Zukunft keine grundlegenden Veränderungen der permanenten Schausammlung der anthropologischen Abteilung in Sicht. Dennoch ist es vielleicht angebracht, am Ende eines Artikels zur Geschichte des Ausstellens von Rassen Impulse für eine Neukonzeption der anthropologischen Schausammlung des Museums zu geben. Eine der wichtigsten Aufgaben einer solchen Ausstellung könnte es sein, die Genese und Verstärkung rassistischer Wahrnehmungsmuster durch verschiedene Popularisierungen der Rassenkunde aufzuzeigen. Diese könnte auch der fortwährenden Verdrängung der eigenen Geschichte ein Ende setzen und eine kritische Beschäftigung mit der Repräsentation des Anderen einleiten. Dabei müßte jedoch auch mit Darstellungsformen gebrochen werden, die stets mit einer Referenz auf die Autorität einer geschlossenen Wissenschaft auftreten, so als wäre diese nicht von ständigen Kontroversen gekennzeichnet und — nicht zuletzt durch ihre populäre Selbstdarstellung — »nach außen« hin offen. Sich selbst in ihrer Konflikthaftigkeit und ihrer Gebundenheit an das Konkrete zu präsentieren stellt für die Anthropologie zweifellos eine große Herausforderung dar. Manche mögen es als Bedrohung ihrer fachlichen Identität empfinden. Doch wenn es darum geht, die »Rasse« als wissenschaftliche Kategorie zu opfern, sollten sie nicht zögern: Denn ohne Rassismus sind die »Rassen« nicht zu haben.

Eugenische Fallkonstruktion
Milieu existiert nicht — Schautafel 2 — Rassismus im Museum

[1Der Text ist die umgearbeitete und stark erweiterte Fassung eines Vortrags, der am 29.1.1995 auf dem Symposium »Museums- und Ausstellungspolitik in Österreich 1918—1945« im Österreichischen Museum für Volkskunde gehalten wurde.

[2Adam Kuper: Racial Science, in: Nature 364, S. 754

[3Thomas Hoffmann: Was von den Genen für die Rasse bleibt, in: Der Standard 6. /7. 3. 1993, S. 27

[4Parlamentarische Anfrage Nr. 5383/J-NR/1993 betreffend den sog. »Rassensaal« im Naturhistorischen Museum vom 5. Oktober 1993. Beantwortet vom Bundesminister am 19. November 1993, vgl. 11-11654 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen des Nationalrates XVIII. Gesetzgebungsperiode.

[5Vgl. Peter Weingart, Jürgen Kroll & Kurt Bayertz (1988): Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. Frankfurt/M.: Suhrkamp; Robert Proctor (1988): From Anthropology to Rassenkunde in the German Anthropological Tradition, in: George W. Stocking (Hg. ) (1988), Bones, Bodies, Behavior. Essays on Biological Anthropology. History of Anthropology, vol. 5. Madison: Wisconsin Press, S. 138-179; Benoît Massin (1993): Anthropologie raciale et national-socialisme: heurs et malheurs du paradigme de la «race». In: Josiane Olff-Nathan (Hg. ) (1993), La science sous le Troisième Reich. Victime ou alliée du nazisme? Paris: Seuil, S. 197-262.

[6Otto Reche (1925): Die Bedeutung der Rassenpflege für die Zukunft unseres Volkes, in: Veröffentlichungen der Wiener Gesellschaft für Rassenpflege (Rassenhygiene), Heft 1, S. 7

[7Paul Weindling (1989): Health, Race and German Politics between National Unification and Nazism, 1870-1945. Cambridge: Cambridge Univ. Press, S. 465

[8Zu dem Altgermanisten Much vgl. Sebastian Meissl (1981): Germanistik in Österreich. In: Franz Kadrnoska (Hg. ), Aufbruch und Untergang. Österreichische Kultur zwischen 1918 — 1938. Wien etc.: Europaverlag, S. 485. Andere Rassenforscher, die zum Teil später im NS-Reich eine bedeutende Rolle spielen sollten, waren zu dieser Zeit Eberhard Geyer (1899-1943), Gustav Kraitschek (1870-1927) und Robert Stigler, alle in den darauffolgenden Jahren Ausschußräte der Anthropologischen Gesellschaft. Vgl. dazu vor allem die zahlreichen positiven Rezensionen der Bücher von Lenz, Günther, Siemens etc. in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Wien (= MAGW).

[9Vgl. Lebzelters recht scharfe geführte Auseinandersetzungen mit Reche, Geyer und Kraitschek, in denen »Grundsätzliches zur Rassenhygiene« verhandelt wurde (z. B. in MAGW 55, S. 286ff; S. 361f. ). Lebzelter verstarb 1936, nachdem er zwei Jahr hindurch Direktor der anthropologischen Abteilung gewesen war.

[10Josef Weninger (1933): Das Denkmal für Rudolf Pöch an der Wiener Universität, in: MAGW 63, S. 258. Vgl. dazu Eugen Fischer (1926): Aufgaben der Anthropologie, menschliche Erblichkeitsleere und Eugenik, in: Die Naturwissenschaften 14, S. 749 ff

[11Vgl. die Statistik in Josef Weninger (1938): 25 Jahre Anthropologisches Institut an der Universität Wien, in: MAGW 68, S. 201

[12Die Grundlage dafür hatte bereits Otto Reche gelegt. Vgl. Ders. (1926): Anthropologische Beweisführung in Vaterschaftsprozessen, in: Österreichische Richterzeitung 19, S. 157 ff

[13Zu diesen engen institutionellen Verbindungen vgl. die Dissertation von Karl Pusman (Die Wiener Anthropologische Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Wien 1991), die jedoch nur die Institutionengeschichte berücksichtigt und die Popularisierung von anthropologischem Wissen beiseiteläßt.

[14Otto Pesta (1939): 50 Jahre Naturhistorisches Museum Wien, in: Annalen des Naturhistorischen Museums Wien (= ANMW) 50, S. XI

[15Zum Vergleich: Heute umfaßt die anthropologische Schausammlung nur mehr zwei Säle.

[16Viktor Lebzelter (1935): Die permanente Schausammlung über Familienbiologie, Familienhygiene und Familienschutz im Naturhistorischen Museum, in: MAGW 66, S. [7]

[17Was auch an anderer Stelle immer wieder betont wurde; vgl. beispielsweise Josef Weninger (1938): 25 Jahre Anthropologisches Institut an der Universität Wien, in: MAGW 68, S. 200f., der die Anwendungsmöglichkeiten anthropologisch-erbbiologischen Wissens »im Dienste der Rechtspflege und damit im Dienste der Wahrung gesellschaftlicher Interessen betont«, um damit zugleich einen weiteren Ausbau seines Instituts zu fordern.

[18Eberhard Geyer (1935): Bericht über die Ausstellung »Erbforschung am gesunden Menschen«, in: MAGW 65, S. [23 f]

[19H. Kummerlöwe (1939): Zur Neugestaltung der Wiener wissenschaftlichen Staatsmuseen, in: ANMW 50, S. XXIV-XXXIX

[20Vgl. Bernhard Purin: Jüdisches in Museen, unveröffentlichtes Manuskript eines Vortrags, gehalten am 29. 1. 1995 auf dem Symposium »Museums- und Ausstellungspolitik in Österreich 1918-1945« im Österreichischen Museum für Volkskunde.

[21[Robert Routil] (1942): Kurzer Führer durch die Schausammlungen des Naturhistorischen Museums, Wissenschaft ins Volk, Heft 3, S. 38

[22Neues Wiener Tagblatt, 23. 1. 1941

[23Dazu vgl. Horst Seidler und Andreas Rett (1982): Das Reichssippenamt entscheidet. Rassenbiologie im Nationalsozialismus. Wien: Jugend 8c Volk, sowie dies. (1988): Rassenhygiene. Ein Weg in den Nationalsozialismus. Wien/München: Jugend & Volk

[24Michel verblieb während des Krieges in untergeordneter Position im Museum, war im Widerstand tätig und organisierte die Auslagerung der Sammlungen zum Schutz vor Kriegsschäden beteiligt.

[25Neues Österreich, 24. 11. 1945 (Hervorhebungen im Original; auch an die Verwendung des Konjunktivs mußte man sich nach 1945 erst wieder langsam gewöhnen).

[26Routil war in seiner Assistentenzeit ebenfalls tätiges Mitglied der Erbbiologischen Arbeitsgemeinschaft gewesen. Ab 1941 bekam er eine Stelle in der anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums, zu deren Direktor er 1945 ernannt wurde. Er hatte in der Nazi-Zeit u. a. den »Rassensaal« in der »Kulturvergleichenden Ausstellung des Museums für Völkerkunde« (1942) gestaltet und gab daselbst eine Einführung in das Thema »Die nordische Rasse«. Vgl. den von Fritz Röck herausgegebenen Führer durch die Ausstellung, sowie Wilhelm Ehgartner (1955): Robert Routil (Nachruf), in: ANMW 60, S. l-4.

[27Vgl. dazu Wolfgang Kos (1994): Die Schau mit dem Hammer. Zur Planung, Ideologie und Gestaltung der antifaschistischen Ausstellung »Niemals vergessen!«, in: Ders., Eigenheim Österreich. Zu Politik, Kultur und Alltag nach 1945. Wien: Sonderzahl, 5.7-58.

[28Neues Österreich, 24.6.1948

[29Nofretete als Demonstrationsobjekt, in: Die Presse, 5.4.1949

[30Robert Routil (1954): Museale Gestaltung anthropologischer Schausammlungen. In: Aktes du IVe Congrés International des Sciences Anthropologiques et Ethnologiques, Vienne 1-8 septembre 1952, Tome I, 5.8

[31[Robert Routil] (1949): Die Menschheit — eine Familie. Menschheitsforschung widerlegt Rassenwahn, Naturhistorisches Museum Wien, 5.8 und 23 f

[32So verurteilte Routil in seinem Führer auch die Unmenschlichkeit der Rassengutachten. Daß mehrere Anthropologen am Naturhistorischen Museum im Auftrag des Reichssippenamtes tätig gewesen waren, wurde dabei jedoch nicht erwähnt.

[33Henry H. Goddard (1912): The Kallikak Family: A Study in the Heredity of Feeblemindedness. New York; vgl. auch Hans-Walter Schmuhl (1994): Eugenik und Rassenkunde, in: Darwin und Darwinismus. Eine Ausstellung zur Kultur- und Naturgeschichte. Hrausgegeben von Bobo-Michael Baumunk und Jürgen Rieß. Berlin: Akademie Verlag, 3.144 f

[34Ingrid Greisenegger (1993): Wie zu Adolfs Zeiten, in: Pro?l, Nr. 10, 8.3.1993

[35Neue Kronen-Zeitung, 27.6.1978, 5.15

[36Johann Szilvássy (1978): Die anthropologische Schausammlung des Naturhistorischen Museums in Wien, Mitteilungsblatt der Museen Österreichs, 27.]g., Heft 5-10, 5.48 f. Ein Vergleich mit Routils 1952 abgegebenen Empfehlungen (Vgl. Fußnote 29) zeigt, daß in dieser Ausstellung das von diesem formulierte Programm ungebrochen beibehalten wurde.

[37Serge Moscovici (1984): The phenomenon of social representations. In: Robert M. Farr und Serge Moscovici (Hg.), Social representations. Cambridge/Paris: Cambridge University Press/Editions de la Maison des Sciences de l’Homme‚ 5.30 (unsere Übersetzung, A.M. &, K.T.)

[38Zitiert nach Marianne Enigl (1993): Erbkrank, im Profil 36, 6.9.1993, S. 34

Rudolf Scholten, dem jetzigen Wissenschaftsminister, zugeeignet von der Redaktion des FORVM, mit schönen Grüßen

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1995
No. 496-498, Seite 76
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