FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1979 » No. 303/304
Otto Gross

Lehrt Anarchie

Zur funktionellen Geistesbildung des Revolutionärs

Otto Groß ist ein vergessener Vorläufer Wilhelm Reichs, den Josef Dvorak in einer gründlichen Studie im Juli/August-Heft 1978 des NEUEN FORVMs exhumierte. Schon vor dem ersten Weltkrieg hatte Otto Groß begonnen, Psychoanalyse und soziale Revolution zu verbinden. Als Teilnehmer des österreichischen Novemberumsturzes 1918 und Intimus der deutschen und österreichischen Boheme hat Groß viele Zeitgenossen angeregt und beeinflußt, wie Franz Werfel, Anton Kuh, Franz Pfemfert, Erich Mühsam, Franz Jung und C.G. Jung.

Zur Zeit besteht das ungeheuerlichste Problem, das je mit den Begriffen Erziehung, Bildung und Kultur verbunden war: die Frage der Erneuerung des Unterrichtes nach der Befreiung des Proletariats. Und hier gerade jetzt ein ferngerücktes — manchmal scheint es uns beinahe: ein schon verspieltes — Bild, ist sie im Land, dem unsere Träume, Wünsche und Erlösungshoffnungen gehören und dessen Existenz und Überwinderglorie unsere ganze Kraft ist — ist sie in dieser Gegenwart ein Hauptproblem der schöpferischen Arbeit in Rußlands sieghaft rings umschirmter lebendiger Kultur.

Was Lunarscharskis unerhört geniale Schöpferkraft dort aus dem Nichts heraus ins Leben ruft, ist etwas vollkommen Erstmaliges: seine Methodik der betriebstechnischen Schulung — der Abteilung des Unterrichtes aus der Arbeit scheint das Problem natürlichster Übermittlung in sich zusammengeschlossener Erkenntnisse gelöst zu haben.

Zugleich mit dieser absoluten Neugestaltung des inhaltlichen Unterrichtes und der Verwandlung der gesamten Hierarchie der Schulen überhaupt beginnt nunmehr der Andrang einer ungeheuren Zahl von Schülern, welchen zum allergrößten Teil die Qualität des geistigen Vorbereitetseins, die allgemeine Vorbildung fehlt. Damit ist ein Problem gestellt, das unvermeidlich mit dem Eintritt des Unterrichtswesens überhaupt in die neue Ordnung der Revolution verbunden ist. Es wird damit zu einer prinzipiellen Frage der revolutionären Vorarbeit. Es ist das neubelebte, dem Problem der Übermittlung inhaltlicher Kenntnisse zur Seite stehende Problem der Übermittlung allgemeiner kultureller Bildung unter den neuen Verhältnissen, d.h. an eine große Zahl von Schülern bzw. an den einzelnen in kurzer Zeit.

„Bildung“ — im Gegensatz zu inhaltlichen Kenntnissen — ist funktioneller geistiger Erwerb, Funktionssteigerung im Erfassen und Ausdrücken komplizierter, speziell abstrakter Gedankengänge und im Freihalten sachlichen Denkens vom Mitwirken der Affekte. Die Einübung dieser Funktionen, die sich naturgemäß zugleich mit der Erwerbung von Kenntnismaterial vollzieht, nicht aber das Erlernen dieser Inhalte selbst differenziert die Fähigkeiten zur produktiven Objektivität, zum Interesse an den Dingen und an den Ideen um ihrer selbst und ihrer Werte willen — zum aufgeschlossenen Verstehen abstrakter Überlegungen und deren freiem Ausdruck — d.h. die Fähigkeit zu gegenseitigem Kontakt in der Beziehung zur Kultur.

Die Übermittlung dieser funktionellen Bildung ergibt sich als ein unabweisbares Problem des revolutionären Unterrichtes sowohl als Vorbedingung jedes inhaltlichen Lernens von Gegenständen komplizierterer Natur als auch vor allem anderen als Basis der Kultur der Zukunft, welche Lunatscharski als das höchste Ziel der revolutionären Umgestaltung definiert: Kultur als harmonische geistige Zusammenarbeit aller.

Um einer solchen Kultur — der ersten wirklichen! — in adäquaten Dimensionen ihre psychologische Basis zu schaffen, um die geübte Geistigkeit, die funktionelle Differenziertheit auszubreiten, aus der sie zu erstehen vermag, wird auch auf dem Gebiet derGeistesbildung, der geistig funktionellen Schulung die Lösung neuer krisenhaft bedrohlicher Probleme geleistet werden müssen, wird aus dem ungeheuren Andrang am Geist in Wahrheit Interessierter zu den neuen Bildungsstätten und aus der zum ersten Mal in der Geschichte als Wirklichkeit erstandenen lebendigen Kultur die Forderung nach einem energiesparenden Prinzip und seinem Ausbau zu einer neuen ökonomischen Methodik der funktionellen Geistesbildung hervorgehen.

Die Hauptmethode funktioneller Geistesschulung war bislang die Überwindung eines Desinteressements durch das Herausarbeiten eines geistigen Prinzips aus einem aller Interessen möglichst baren Stoff und ohne Möglichkeit von weiterer Verwertung: abstraktes Ordnen des Substrats ganz als kultureller Selbstzweck. Damit erreicht die uralt—klassische Methode am souveränen Gegenstand der funktionellen Geistesschulung, an den toten Sprachen mit großer Regelmäßigkeit (bei übermittelmäßiger Begabung selbstverständlich!) den dauernden Erfolg der Unabhängigkeit abstrakten Denkens von jeder Art Affekte oder Apathien und überhaupt von Störungen von innen her.

Die Vergewaltigung, durch welche hier das objektive Denken aus der Herrschaft von Lust und Leid befreit wird, macht die Methode selbstverständlich ungeeignet für den revolutionären Unterricht. Zu ihren Zielen: Leichtigkeit des Denkens mit Objektivität und Freiheit, Vertrautheit mit der Abstraktion, Erfassen der Idee als Selbstzweck, kommen für die funktionelle Geistesschulung im revolutionären Unterricht noch die Motive revolutionärer Gesamterziehung überhaupt hinzu. Und es ist eine Forderung des revolutionären Geistes, daß die Herrschaft des abstrakten Denkens über störende Affektmomente nicht als ein Sichfügen in die Gewohnheit eines geistigen Zwanges‚ sondern vielmehr als Freiheit des Geistes selbst erfahren wird.

Ein solches Gefühl von innerer Freiheit wird dann entstehen, wenn sich durch Lösung innerer Konflikte und Selbsterkenntnis über Dimension und Wesenheit des effektiven lnnenlebens überhaupt, also auch der das Denken sabotierenden Impulse, eine Befreiung des aktiven objektiven Geistes und der Beziehung zur Idee um ihrer selbst willen herstellt.

ln der Verwirklichung der Selbstbefreiung durch Selbsterkenntnis schafft die moderne Psychologie des Unbewußten die reale Basis für eine Umgestaltung der geistigen Entwicklung des einzelnen wie der Gesamtheit. Die Empirie der psychoanalytischen Methode, konsequent und kompromißlos durchgeführt, projiziert ein neues Bild des Menschen mit der Wirklichkeit seiner Anlagen, seiner Möglichkeiten und Lebensansprüche, zugleich aber auch seines Leidens am Leben und an sich selbst, seines Konflikts mit der Umgebung, mit Gesellschaft und einzelnen, mit Institution, Familie und Autorität.

Es hat sich herausgestellt, daß die menschliche Seele mit unüberwindbarer Intensität die Aufnahme innerer Widersprüche abwehrt und daß sie dem Andrängen von affektgespannten, mit unaufgebbaren Motiven unvereinbaren Erlebnissen das geschlossene Assoziationsgebiet des überschaubaren und regulierbaren Bewußtseins sperrt. Daß sich dann außerhalb desselben im Gebiet des Unbewußten eine Masse solcher intensiv affektbetonter, den ichbewußten regulierenden Motiven entgegenstehender, zugleich den tiefsten Wesenselementen der Persönlichkeit verwandter Triebkomplexe sammelt, welche von da aus unerkannt auf indirekten Wegen in veränderten Formen — d.h. mit einer Verschiebung der Affektenergie auf dem Weg der Assoziationsverbindungen! — in das bewußte Seelenleben, in den Zusammenhang der Denkvorgänge und zur Betätigung nach außen drängen. Daß also unser Seelenleben zum allergrößten Teil von einer bisher unbekannten, außerhalb des überschaubaren und regulierbaren Bewußtseins — der „Ich-Kontinuität“ — angestauten Masse verdunkelten psychischen Materials bestimmt wird und daß die Wiedereroberung dieses „verdrängten“ Materials — das eben ist die Methode der analytischen Psychologie! — für das Bewußtsein die subjektiv persönlichkeitsgemäße Lösung der Konfliktprobleme anbahnt.

Vor-Reichianer Otto Groß (1877 - 1920)

Die Entstehung dieser Versperrung und Verkrampftheit, mit welcher es zur Aufstauung kontinuierlich sabotierender Faktoren im Unbewußten kommt, vollzieht sich in der Kindheit, unter dem ersten verheerendsten Druck der Autorität, der unablehnbar ist im ungeheuren Dunkel der Einsamkeit, die um das Kind herum ist, herum gebreitet durch das unbegrenzte Nichtverstehen von seiten aller, und deren sparsam vorbehaltene Durchbrechung an die Ergebung in die Autorität und Anpassung an das Umweltmilieu gebunden wird. ln dieser Periode der Wehrlosigkeit, in welcher jedes einzelne Leben von seinem Beginnen und Erwachen an der Korruption anheimgegeben ist, erfolgt die Aufnahme jener seelischen Fremdkörper, welche als Elemente fremden Willens im ungelösten Gegensatz zum eigenen — soweit ein solcher sich erhält! — den ersten großen inneren Konflikt und damit alle innere Zerrissenheit und Selbstsabotage der Seele bedingen.

Die affektiven Elemente, deren Unterordnung unter die Gewalt verstandesmäßigen Denkens Gegenstand der funktionellen Geistesschulung ist, sind praktisch überwiegend unbewußten Ursprunges, und ihre Miteinwirkung ist ein Teil jener inneren Selbstsabotage, die von dem unbewußten gewissermaßen ausgesperrten Teil der Seele ausgeht. Nicht als gewaltsames Niederhalten widerstrebender innerer Kräfte, aber durch Wiederaufnahme des Unbewußten in die Bewußtseinseinheit bringt die Selbsterkenntnis im psychoanalytischen Sinn die widerstrebenden Elemente im Innern der Seele zum Ausgleich und die Tendenz zur Selbstsabotage zum Schwinden.

lm Einklang damit steht die Erfahrung, daß jedes Vertrautwerden mit der Psychologie des Unbewußten in jedem einzelnen Fall zu einer Befreiung des Denkens von Widerständen und Ablenkungen führt, die das Gesamtergebnis der funktionellen Geistesschulung mit dem Bewußtsein individualitätsgemäßer freier Entwicklung vereint.

Die Psychologie des Unbewußten erscheint deshalb berufen, im neuen Unterricht als souveräner Lehrstoff die zentrale Stellung im geisteswissenschaftlichen Unterricht einzunehmen und zum Substrat der funktionellen Geistesschulung zu werden, als Grundstoff einer Bildung, die als Befähigung zur Teilhaftigkeit an der Kultur zu definieren sein wird.
Zugleich bedeutet der Unterricht in der Psychologie des Unbewußten als Übermittlung von Inhalten die Einführung in den Geist der Revolution.

Und die Erkenntnis dieses Geistes wird um so inniger und tiefer sein, als kein Detail der Unbewußtsein-Psychologie nur Übermittlung von lnhalten allein bedeuten kann, da es sich immer wieder um Selbsterkenntnis handelt und jeder neue Inhalt dem Lernenden als in ihm selbst verborgen aus seinem eigenen lnnern heraus und als sein eigenes Besitztum zu entwickeln ist.

Der souveräne Inhalt, den die Lehre der Unterbewußtsein-Psychologie zu übermitteln hat, ist die Erkenntnis der Gegensätze zwischen dem Menschen in seiner Wesenheit, mit seinen angelegten Möglichkeiten, Fähigkeiten und Ansprüchen an das Leben und der von den bestehenden Verhältnissen geschaffenen Realität, der Unterdrückung aller Lebenserfüllung und der Verbildung alles Menschentums.

Es ist an dieser Erkenntnis jedem Lernenden, an welchem Platz im Klassenaufbau er heute stehen mag, sein Interesse an der Revolution zu erschließen.

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Das Interesse am Sturz des Bestehenden gilt für jeden, außer für den, den die vollendete Unterdrückung alles eigenen Wesens und Fühlens durch die Suggestionen fremden Willens an das Bestehende angepaßt hat — das sind in Wirklichkeit die allermeisten. Nur in einer kleinen Elite ist jene Energie und Intensität des Geistes, welche die Kraft verleiht, die angeborene angelegte Wesenheit im Inneren lebendig zu erhalten, wenn auch als Element des inneren Konflikts und im inneren Kampfe durch Verdrängungen und Übertreibungen verdunkelt, umgedeutet und entstellt ... Es ist aus diesen Zerrbildern unverlierbaren Menschentums in jedem einzelnen, in dem sie sich erhalten haben, das jedem unbewußt verankerten Impuls am allertiefsten zugrunde liegende unaufgebbare Güte aus den Verschränkungen, die es nur zur vollen Unkenntlichkeit und meistens in sein Gegenteil verkehren, herauszulösen und aus der Summe aller dieser, das verlorene Positive nach und nach enthüllenden Erkennungen der eigenen Persönlichkeit die allgemeine wahre Gestalt des menschlichen Wollens und Forderns frei zu machen, stets neu empirisch die Wahrheit zu vermitteln, daß der natürliche angeborene Anspruch des Menschen an den Menschen die freie Beziehung freier lndividualitäten ist, im Gegensatz zur Anpassung an den Druck der Außenwelt, aus der die universelle Krankhaftigkeit des menschlichen Trieblebens, die Unterwerfungsbereitschaft sowohl als der Wille zur Macht hervorgeht.

Der Wille zur Beziehung im Gegensatz zum Willen zur Macht ist als der elementare Gegensatz der revolutionären zur angepaßten — bürgerlichen — Psyche freizulegen und als das höchste eigentlichste Ziel der Revolutionen aufzuzeigen.

Es wird — sowohl als allgemeine wissenschaftliche Erkenntnis als auch, soweit möglich, als immer neue Empirie im Falle jedes Lernenden! — zu zeigen sein, daß die Natur des Menschen, so wie sie angelegt und jedem angeboren ist, nach den zwei großen Werten Freiheit und Beziehung strebt. Daß diese Strebungen der Anlage nach harmonisch sind, daß überhaupt natürlicherweise und aus den Anlagen heraus nichts Unzweckmäßiges abgeleitet werden kann, also für jede innere Zerrissenheit und Selbstsabotage im letzten Grunde stets nur Wirkungen von außen her, gewaltsame Durchkreuzung natürlicher Entwicklung verantwortlich zu machen sind. Daß also alles Leiden sowohl als alles unzweckmäßiges und böse Tun stets Effekte des widernatürlichen Druckes sind, den die bestehende autoritative Ordnung auf alle und alles legt, daß diese ganze unermeßliche Wucht von Leid und Bösem steht und fällt mit dieser Ordnung der Macht und Vormacht, des Klassenrechtes und des Kapitals, der autoritativen Rechtsgebundenheit und des erstickten Machtkampfes zwischen den Geschlechtern in Ehe und Prostitution.

Es wird die volle innere Verbundenheit der staatlichen lnstitutionen mit denen der Familie zu zeigen sein: die Notwendigkeit der völligen Befreiung der Frau aus ihrer privaten Hörigkeit, der Abhängigkeit vom Mann als absoluter Grundbedingung jeglicher Befreiung überhaupt, die Notwendigkeit der Zertrümmerung der Vaterrechtfamilie unter Errichtung des kommunistischen Mutterrechtes.

Es wird die latente unbewußte Psychologie des Familienlebens aufzuzeigen sein, die Qualifizierung des Besitzanspruches an Weib und Kind als Teilhaftigkeit und Mitschuld an den Werten und Institutionen des Bürgertums und Fixierung bourgeoisen Charakters, bourgeoiser Anpassungen und Befriedigungen. Die Notwendigkeit der Sabotage der Familie, vor allem der proletarischen, als Grundbedingung und psychologische Grundlage der Aufnahmefähigkeit für den Geist der Revolution.

Endlich: Als Vorbedingung jeder sittlichen und geistigen Erneuerung der Menschheit ist die Notwendigkeit einer totalen Befreiung der werdenden Generation aus der Gewalt der bürgerlichen Familie — und auch die vaterrechtliche Familie des Proletariers ist bürgerlich! — durch das kommunistische Mutterrecht und aus der Anpassungsschule des Staates durch das System des revolutionären Unterrichts.

Der Unterricht in der modernen Psychologie wird ein besonderes und eigenartiges System erfordern, welches, mit keiner bestehenden Methode verwandt, in einem gewissen Parallelismus gerade mit dem Aufbau der Arbeitsschulung stehen wird. Während die allgemein-wissenschaftlichen Ergebnisse, soweit es sich um das Anschaulichmachen des Wesens der neuen Disziplin und ihrer fundamentalen neuen Erkenntnisse über die Seele des Menschen, seine Motive, Fähigkeiten, Beziehungen, seine Kultur, seine Defekte und seinen Zusammenbruch handelt, auf theoretischem Wege durch Vortrag und Lektüre vermittelt werden können, bedarf die neue psychologische Erziehung im eigentlichen Sinne der Empirie in jedem einzelnen Fall des empirischen Neufindens jeder Wahrheit aus der Seele des Schülers heraus, also der systematischen Wiedereroberung des verdrängten seelischen Materials für sein Bewußtsein.

In diesem Unterricht, der aus der detaillierten, mit psychotherapeutischen Methoden einsetzenden Beschäftigung mit der Seele des einzelnen, ihren Konflikten, Leiden, Fragwürdigkeiten und Versuchungen die stolze Selbsterkenntnis des sich selber Wiederfindenden, von Anpassung, Unterwerfungsbereitschaft und Willen zur Macht sich befreienden, die trennenden Distancen der Verständnislosigkeit zu durchbrechen lernenden Individuums entwickelt, kann sich die sittliche Vorbereitung des Revolutionärs für die Revolution vollziehen.

in dieser Erziehung wird endlich einmal der Gegensatz überwindbar sein, der Altruismus und Egoismus trennt. Es gilt, das lndividuum selbst die Steigerung seines eigenen Seins in der freien Beziehung mit freien Menschen erleben zu lassen. Die tiefste Erfahrung ist die der freien Beziehung: die des Verbundenseins um einer steten Förderung willen, die, wechselseitig durch die ungewollte freie Lebensäußerung des lndividuellen ausgetauscht, die Existenz, das Sosein, die Entfaltung und den Aufstieg des einen für den anderen zum höchsten eigenen Gewinn gestaltet.

Das Ziel wird die Befreiung der Liebe von der Sabotage durch die latenten Autoritätsmotive sein, das passive wie das aktive, die Unterwerfungsbereitschaft wie den Willen zur Macht. Und damit wird ein Geschlecht erzogen werden, das, innerlich frei vom latenten unwiderstehlichen Hang zur Autorität, die autoritätslose Menschlichkeit der Zukunft der Realisierung nähern wird.

„Räte-Zeitung“, Berlin 1919 (Jg. 1, Beilage)

Der Verfasser dieses Artikels beabsichtigt in der Freien Hochschulgemeinde für proletarische Kultur Kurse „Zur Psychologie der Revolution“ mit Einführung in die Psychologie des Unbewußten (psychoanalytische Psychologie) zu halten [Anm.
von O. Groß]

Der Titel stammt von der Redaktion, der Untertitel von Otto Groß. Die Hervorhebungen im Text sind vom Verfasser (Red NF)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1979
No. 303/304, Seite 64
Autor/inn/en:

Otto Gross: Geboren 1877 in Gniebing (Steiermark), gestorben 1920 in Berlin. Mediziner, Psychoanalytiker und Revolutionär.

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