FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1995 » No. 496-498

Alt Währinger Beisl

Sind auch die Wiener Kaffeehäuser schon alle in Neo-Jugendstil verläßlich kaputtrenoviert — das Original-Wiener Beisel findet man noch. Wenn Sie keinerlei Wert auf fein-teures Fressen legen, aber ein Budweiser Bräu zu dicken Suppen aus der Mikrowelle, auf Resopal serviert, goutieren; wenn Sie die trauliche Atmosphäre herabgekommen-proletischer Aggressionen geradeso lieben wie wir — dann sind Sie hier richtig.

Freitag, 19. Mai 1995
19 Uhr bis gegen Mitternacht

Paulinenstüberl
Währingerstraße 180

Der Wirt, Hermann Bahr, durch einige Krügel Bier weltanschaulich in bester Tagesverfassung, hatte an diesem Tag für das FORVM kaum Zeit.

Bahr: Ich muß dringend nach Eckartsau. Aber den neuesten Witz erzähl’ ich Dir noch. Links und rechts ein Billa-Sackerl, dazwischen stinkst. Was ist das?

FORVM: Das weiß ich nicht.

Bahr: Ein Ausländer. Hahaha.

FORVM: Hahaha. Der ist gut, den muß ich mir merken.

Bahr: Weißt auch einen neuen?

FORVM: Nein, tut mir leid.

Bahr: Ich muß sowieso schon gehen. Mach’s gut, Kamerad.

Hermann Bahr, geboren am 1. Februar 1941 in Znaim, österreichischer Staatsbürger, geschieden, Besitzer des Lokals, wohnhaft in 2350 Eckartsau 52 und Inhaber eines gültigen Waffenpasses.

In der Szene gilt das Paulinenstüberl als VAPO-Koordinationsstelle. Via Paulinenstüberl kann man mit den Inhaftierten Kontakt halten, sie mit Geld versorgen, Briefe weiterleiten und Post für Gerd Honsik hinterlegen. Bis vor einigen Jahren konnte man auch sein privates Waffenarsenal in diesem Lokal deponieren.

Gemeinsam mit Lucas Tuma, dem Sohn des Rechtsanwaltes (und Küssel-Verteidi-gers) Dr. Otto Tuma, ist Hermann Bahr Mitglied des Union Sportfliegerclub Eisenstadt, dessen Flugplatz sich in Trausdorf im Burgenland befindet.

Bahr und Tuma, beide Inhaber einer gültigen Privatpilotenlizenz, bieten Flüge mit einer Cessna 150, Cessna 172 und Piper PA-28 innerhalb Österreichs an. Laut einem, im Gastraum des Paulinenstüberls angebrachten Plakat, wird zum Beispiel ein Rundflug über Wien zum Selbstkostenpreis von öS 1200.— angeboten. Buchungen sind bei Hermann Bahr unter der Telefonnummer 479 8595 oder Lucas Tuma unter der Telefonnummer 713 70-* möglich.

Das FORVM bestellt eine Bohnensuppe und — als Mitglied der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition, standesgemäß — ein Krügel. Die Lebensgefährtin von Hermann Bahr, Daniela Lang geboren am 14. April 1964, österreichische Staatsbürgerin, wohnhaft in 1180 Wien, Köhlergasse 1-3/1/3/15, Inhaberin eines gültigen Waffenpasses, serviert.

Soeben aus den USA angekommen, um meine Eltern zu besuchen, erkundigt sich das FORVM bei Daniela, die es (unter Pseudonym) namentlich kennt, aber noch nie gesehen hat, nach den alten Kameraden: Gottfried Küssel, Endress, Earp, Baby, Schulli, Karin und Trixi; es bedauert das Verbotsgesetz, die in Österreich dadurch entstandene Unfreiheit.

FORVM: Und im Ausland kann man sagen, was man will. Es gibt nämlich einen Unterschied. Der Jörg Schimanek, der Senior, der Landesrat, der macht eben seine Veranstaltungen in der Schweiz. Dort gibt es kein Wiederbetätigungsgesetz. Also, wenn er dort das sagt, was er da nicht sagt, ist es dort keine strafbare Handlung. Und nachdem er es ja dort gesagt hat, kann er hier nicht verurteilt werden, weil er hat nicht gegen österreichische Gesetze verstoßen und gegen Schweizer hat er nicht verstoßen.

Daniela: Warum die so verschieden sind?

FORVM: Den Gerd, den kannst in Spanien, in Barcelona besuchen gehen.

Daniela: Ich krieg’ noch immer Briefe von Spanien.

FORVM: Besucht der ... Ja? Gibt’s das Konto noch?

Daniela: Ja.

FORVM: Wie geht’s ihm denn?

Daniela: Keine Ahnung. Aber nur, daß des so unterschiedlich ist das versteh’ ich nicht. Bei uns so und sperrn’s die Leut’ ein.

FORVM: In Spanien. Warum. — Schau, mit dem österreichischen Jusstudium konnte ich drüben nicht sofort arbeiten. Ich mußte also internationales Recht studieren, noch einmal. Also, ein Jahr drüben, da hab’ ich drüben bei McDonalds gearbeitet. Das hat mich gut ernährt. Weil wirklich, da kannst fressen, was D’ willst dort, und ich hab’ noch, na wieviel hab’ ich gekriegt damals: dreihundertfünfzig Dollar in der Woche, eigentlich relativ viel Geld. Und habe einen Freund kennengelernt, auch einen Austroamerikaner, ein recht lieber Kerl.

Daniela: Da mußt die Sprache aber auch können.

FORVM: Perfektly.

Daniela: Wirklich?

FORVM: Ich bin ja zweisprachig aufgewachsen. Weil mein Vater war ein ehemaliger Handelsdelegierter in Pakistan und ich bin in die international school gegangen, wie alle Diplomatenkinder damals.

Daniela: Also zweisprachig Aufwachsen ist schon gut.

FORVM: Englisch, Französisch. Na, was willst machen in Pakistan? Das ist ja ein Drittes Welt-Land. Wo stecken bessere, normal-europäische Eltern ihre Kinder hin? Natürlich in eine internationale Schule, nicht. Und dort ist die Schulsprache Englisch. Na, und da habe ich das nebenbei studiert, das fertig gemacht auf der Cornell Universität in Ithaca und ...

Daniela: Ja, wirklich?

FORVM: Ja, dann habe ich sofort mein Büro aufgemacht mit drei anderen Jungen. Und dann haben wir das erste halbe Jahr Schas-Fälle gehabt — Autounfälle, da haben wir oft mehr Aufwand gehabt, als was wir eingenommen haben. Aber nachdem mein Vater auch nicht gerade arm ist, und vom Richard und vom Mike auch nicht ganz arm sind, haben wir das irgendwie überlebt, nicht. Und jetzt geht’s uns gut. Weil der Mike, nicht ich, der Mike war gut, der hat einen tollen Fall gewonnen und der hat sich einen Namen gemacht. Wir haben uns spezialisiert auf internationales Völkerrecht. Also wir beschäftigen uns eigentlich mit der watch list.

Daniela: Da steht ja unser Waldheim noch immer drauf, nicht?

FORVM: Ja. Nur, das betreiben wir nicht. Das kannst auch in Amerika vergessen, nicht.

Daniela: Ja, wieso?

FORVM: Da habe ich meine green card los.

Daniela: Was ist das?

FORVM: Meine Aufenthalts und Arbeitserlaubnis.

Daniela: Also so wie bei uns.

FORVM: Green card.

Daniela: Mußt’ die auch immer automatisch verlängern?

FORVM: Nein, wennst sie einmal gekriegt hast, dann hast sie dein Leben lang.

Daniela: Bei uns z.B. mußt sie ...

FORVM: Nur — nur, wehe du verlierst sie. Der Verlust der green card ist normalerweise mit Abschiebung und Aufenthaltsverbot auf zwanzig Jahre verbunden, normalerweise.

Daniela: Naja, da sind die extrem.

FORVM: Na klar.

Daniela: Man kann alles verlieren. Es gibt’s ja, daß sie verlierst.

FORVM: Nicht so verlieren. Wenn man sie dir entzieht. Wenn ich anfang, zum Beispiel, dort Naziparolen zu schreien, als Österreicher, dann sind die happig.

Daniela: Strafen’s Dich?

FORVM: Weniger, weniger, daß sie mich vor Gericht stellen, aber es ist dann ein Politikum, nicht.

Daniela: Naja, eh klar.

FORVM: Obwohl — die ganzen Gaskammergeschichten sind so ein Schas. Nicht.

Daniela: Kann man glauben oder net glauben, net? Soviele gehen sich gar nicht aus, daß das Soviele waren. Die täten ja heute noch vergasen, den Zahlen nach.

FORVM: Wem sagst Du das? Nur — das Problem ist nur, es ist eine unnötige Diskussion. Verstehst Du, was ich meine? Der, der es weiß ...

Daniela: Daß die dort keine Decken haben und keine fünf Liter Wasser am Tag haben, dann ist das eh klar, daß viele sterben.

FORVM: Mit dem Herbert [Schaller] habe ich jahrelang darüber diskutiert und es gibt vieles, wo er mich überzeugt hat. Zum Beispiel, wirklich: daß die sogenannten Massengräber die’s nie ausgraben haben. Zum Beispiel in Treblinka, wo heute die Pinien drauf wachsen, nicht. Bei jedem einfachen Fall, wo der leiseste Verdacht doch des — nehmen wir an, du kommst nach drei Jahren drauf, wird die Leiche exhumiert und nachgeschaut, ob’s noch Spuren findest. Aber dort, bei den angeblichen Massenmorden, wird nicht einmal nachgekratzt. Hat mich auch gewundert. Das stimmt doch. Das habe ich ja selber, selber — bin ja kein Zeitzeuge. Habe ich gesagt, hör’ auf Herbert, ich diskutier’ weiter, wenn ich mich da umgehört habe. Und nach zwei Monaten bin ich zurückgekehrt, Herbert, hast recht. Auf der anderen Seite, das hat es gegeben. Also der Herbert hat gesagt »Null. Nicht einer, das waren alles nur Straflager.« Habe ich gesagt, Du, das glaube ich nicht ganz. Ist schon extrem. Entschuldige, es gab die Nürnberger Rassengesetze. Herbert, bei allem ...

Daniela: Aber die Menge, die anständigen Leut’. Also, die Zahlen können nicht stimmen. Also, daß es sicherlich ...

FORVM: Ich weiß ja nicht, daß es überhaupt Gaskammern gegeben hat. Die Frage stellt sich, ob es überhaupt Gaskammern gegeben hat. Das ist eine große Diskussion.

Daniela: Ich hab’ ja zum Beispiel ...

FORVM: Das ist eine echt schwierige Frage. Ich kann nicht beurteilen. Ich bin weder ein Physiker, noch der Leuchter oder so.

Daniela: Aber — ist schon klar. Nur, das waren kleine Kammerln, die haben ein ganz ein kleines Öffnungsloch gehabt. Das ist dort, wo das Gas einegekommen ist. Und dann nach jeden Toten entgiften, weil die dort selber durt eingegangen sind, die Toten aufezaht haben — das ist ja Blausäure, ich man, des verduftet ja nicht so schnell, net. Also dauert des. Eine ganze Prozedur, immens lang. Also gut, die Tausenden, was die sagen, die glaube ich nicht. Daß sie dort ihre eigenen Gräber geschaufelt haben und vierhundert, fünfhundert Leut’ einegestellt haben, dort eineballert haben und gleich zugeschaufelt haben, das glaube ich ihnen. Aber das mit den Gaskammern — ich mein’, das war eine so große Prozedur damals, ich man, die hätten ja allein eineinhalb Tage entlüften müssen, daß die den nächsten dort eingehen können, die nächsten dort einegehen haben können und die nächsten. Und entlüften. Die haben dort gar nicht so viel Gas einegeben können, weil des ist ja oben wieder auße, und, ich mein, wären ja alle hin durten. Also, irgendwo versteh’ ich das Ganze nicht. Geht net. Daß die durt geschossen haben und in die, haben’s, in die Rüstung einigesteckt haben die Leut’. Na klar, na wer hat denn dorten gearbeitet?

FORVM: Na klar.

Daniela: Natürlich Du, als Soldat, bist dorten gestanden dorten, die haben sie alle einkaserniert und habens halt dorten eineghaut.

FORVM: Wirklich?

Daniela: Wäre sonst ja alles gestanden. Und außerdem war das eine reine Entlausungsstation, na auch — da werden halt ein paar Leut’ mit in den Ofen g’rutscht sein.

FORVM: Wie meinst Du?

Daniela: Naja, was da an G’wand und Zeug verbrennt worden ist und entlaust worden ist und wia immer was — natürlich werden glei’ a paar miteineg’rutscht sein. Haben sich ja nicht geschissen drum. Wobei man sagen muß, daß das ja auch nur arme Hund gewesen san. Ich mein, jedes Land hat eben seine Leut’. Warum’s genau de die Juden verfolgt haben, weiß ich nicht. Warum nicht Christen, warum net Katholiken, oder wos waaß i wos. Aber des ist des, was i bis heute net versteh’. Und, daß des bessere G’schäftsleut san und heute noch mehr, deswegen kann ich kan verurteilen. Du kannst ja immer nur das selber machen, was schaffst. Ein jeder Mensch hat die Möglichkeit und die Chance. Na, schau einmal nach Amerika. Na wo san’s denn alle?

FORVM: Na, die Judenfrage ist eh ka Frage mehr, keine Frage mehr.

Daniela: Aber nur — die größte Frechheit finde ich, mit was die jetzt mit allem entschädigt werden. Also, ich man, wir zahlen eh schon fünfzig Jahre lang und an wen zahlen wir jetzt schon? An die Urenkerl? Wir zahlen ja schon an die Urenkerl, bitte. Das ist ja ein Wahnsinn bitte. Was hab’ ich da gehört? Wie war die Summe, die’s da beschlossen haben?

FORVM: Dreihundert Millionen Schilling.

Daniele: Dreihundert Millionen? Und wie zahlen wir denn? Seit Jahr und Tag, seit zig Jahren und geben denen alles auch noch steuerfrei. Naa, da krieg’ ich einen Zurn. Weil unsere Sautrotteln so deppert san, was! Soll ich den Urenkerln noch steuerfreie Geschäfte machen? Hackln für die? Finde ich arg. So wie Polen, der, na wie haßt der, der Walesa, na, net der Walesa, na, fällt mir der Idiot nicht ein. So, wie’s zum Beispiel in Tschechien war: Das ist Geschichte, aus, Schluß. Da kriegt keiner mehr was, da erbt keiner mehr was, aus. Da kriegt nicht einmal einer das Haus zurück. Ja, wennst mehr Göd hast, kannst dem Staat des abkaufen, hast dei Eigentum wieder. Aber aus da gibt es keine Entschädigungen mehr. Und bitte, meine Urenkerln brennen ja denen no hintennach. A so ein kleiner hochverschuldeter Staat wie Österreich!

Daniela (serviert eine Bestellung.)

FORVM: Aber weißt, ich denk mir halt auch irgendwie ... Jetzt werde ich faul, setz’ mich da aufs Eckerl. Jetzt versperr ich für Dich den Fluchtweg.

Daniela (zurückkehrend:) Weil Du gerade gesagt hast: Fluchtweg. — Da hab i mit an diskutiert, weil ich g’sagt hab, halt irgendwie, es geht jetzt ana auf mi los, muß i eben soweit zuruck gehen, was waaß i, durt hintere, da hob i ka Fluchtmöglichkeit, daß ich die Möglichkeit hob zum Schiaßen. Weil schiaß ich eahm da vurn nieder, werde i da verurteilt, weil ich könnt’ ja dort außerennen, i kennt ja dort außerennen. Der streit’ mir das vehement ab und sagt: Hurch zua, du kannst glei abdrucken. Sag’ ich, so geht das net. Sag i, i muaß mi drängen lassen nach hinten, nach hinten ins Lager, da habe ich kein Fenster, da habe ich keine Tür, gar nix. Dann hab ich das Recht, daß ich ihn niederschiaß. Und das hat mir der Idiot nicht geglaubt. Und ich weiß ja, ich hab’ ja schon alles miterlebt da herinnen. Zum Abdrücken bin ich noch nicht gekommen. Schad’, des het mi g’freut. Drüben zum Beispiel war ein Kellner, also der hat ununterbrochen einen Tanz g’macht. Der ist reinkommen mit Tränengasspray. Bis die Polizei kommen ist — waßt eh’ —, war der weg und haben gesagt: Naja, man riecht noch was, was das ist, mochen könn’ ma nix. Die Adern san ma g’standen am Hals und im Gesicht. Habe ich gesagt, ist in Ordnung, werden wir den Earp einesetzen. Na, der kummt eine und da war der Earp zufällig nicht da. Sag, ja is in Urdnung, gut, geh i zum Telefon und hab’ ich auch net gwußt, daß des dann Nötigung ist, wenn einer di net anrufen loßt. Ja, wenn i telefonieren wü, der reißt da den Hörer aus der Hand, wenn i telefonieren wü, is des a Nötigung. Gibt’s a unbedingte Strafe drauf. Hab’ ich auch nicht g’wußt. Dann hob i den Earp angruafen und der hat einegschaut, hat aufpaßt. Der Earp reingekommen, der Typ kommt rein, naja der Earp, als Freund ist der ganz super, kennst ihn eh, und gibts dem ordentlich.

FORVM: Wieviel hat er gekriegt?

Daniela: Eineinhalb Jahre. Da hat er auch noch Glück gehabt. Die sind auf die Straße raus und der ist in eine Glasscheibe einedunnert, hängen geblieben an den Glasscherben mit dem Buckel, und da ist es aber noch zweieinhalb Meter runter gegangen in einen Keller. Also hat der auch Glück auch noch gehabt, daß eam die Scherben aufhalten, nicht. Wenn der oba foid, kann er sich das G’nack auch noch brechen, dann wär’s anders ausgegangen. Er hat also eineinhalb Jahre gekriegt, wahrscheinlich auch nicht mehr wie jetzt. Da hätt’ er wenigstens was gemacht, dann wäre er wenigstens richtig verurteilt worden und hätt’ wahrscheinlich auch nicht mehr gekriegt.

FORVM: Pickt a noch immer? Pickt er noch immer?

Daniela: Na freilich.

Daniela: Jetzt hab’ i mir wirklich denkt, wie Du mir die Karte gegeben hast, ich soll die dem Earp geben, willst Du mich veräppeln. Was soll des?

FORVM: Na was willst denn, wennst zwei, drei Jahre weg bist. Ein paar Mal habe ich geschrieben. Keiner hat mir zurückgeschrieben. Sind ja alles faule Hund. Nicht einmal eine Karte, nichts, null, Nüsse.

Daniela: Wem schreibst Du denn immer, hast dem Gottfried auch geschrieben?

FORVM: Nein, kaum. Ich trau’ mir das nicht mehr.

Daniela: Ist eh gut. Weil die warten nur drauf, daß sie irgendwo neue Namen wo finden.

FORVM: Ja.

Daniela: Na was hast denn geglaubt. Die sehen die Post durch und finden Deinen Namen, Michael soundso, aha, den haben wir noch nicht auf der Liste. Was ist mit eam? Nachforschen tun sie auf alle Fälle einmal. Trabbis hast dann a. Ob jetzt was außekummt oder net außekummt. Aber trotzdem, Schwierigkeiten machen’s Dir. Die haben eine eigene Liste in die Häf’n drinnen, wo ein jeder siecht, wer schreiben derf und wer net.

FORVM: Na, gemütlich.

Daniela: I woa überhaupt haß auf de. Die ganzen Leut’ wegga, vor allem. Schad’ um die Zeiten. Wenn ich da vorn zweimal lauter geredet habe, dann sind die schon irgendeiner da g’standen. Die haben auf mich aufgepaßt. War schon schön. Na, die Story mit den Halogenscheinwerfern werde ich a nie vergessen. Es war schon nach der Sperrstund’, so drei, vier Uhr in der Früh. Plötzlich pumperts an der Tür, der Gottfried hat bei der Tür außeg’schaut. Na, die Häh. Bumm. Habe i die Schlüssel g’numma, Tür zugesperrt, die Lichter abgedreht, alle auf der Erd’ und der Gottfried mit seinen achtzig Kilo, was er früher g’hobt hat, oder mit seinen neunzig Kilo — heute ist er ja gertenschlank —, haut er sich dorten hin, auf den kleinen Tisch, wo i die Marmorplatten drauf g’hobt hob, net, und haut er si auf die Seite, weil die sofurt mit den Halogenscheinwerfern eini-g’fahren san, fliegt die Platte um. Machen Sie auf, schreien die umadum. Natürlich — natürlich hat sich keiner mehr gerührt. Ja eintreten hätten sie’s können. Aber ob sie sich das wirklich getraut hätten, ja vielleicht hätt’ns einen Grund g’funden, da bringt irgendeiner wem um, net. Waßt ja nie. Die finden immer die Gründe. Da hab’ ich dann einen nach dem anderen heimlich hinten bei der Tür rausgelassen. Natürlich in der vollen Montur, waßt eh, mit Hemd, Krawatte, weißes Hemd.

FORVM: Na servas.

Daniela: Heut’kann i des feststellen, wer des ist. Von der Alarmabteilung, Krimineser, Stapo, normal Uniformierte, dann ... (serviert rasch einige Getränke).

FORVM: Ich gib Dir, ich weiß das nur vom Herbert, ich hab’ nur kurz mit ihm telefoniert, der ist nicht in Wien momentan. Dem geht’s körperlich nicht sehr gut. Der hat so Magengeschwüre gehabt, die er mit Tabletten behandelt hat, und die sind irgendwie aufgegangen und da war er dann vierzehn Tag’ im Krankenhaus, die haben geblutet. Ich hab’ zwar eh nicht soviel mit, aber ich geb’, daß er dem Gerd nach Spanien fünfhundert Schilling schickt, weil das ist ein armer Hund.

Daniela: Und wem soll ich das geben?

FORVM: Der hat ja ein Konto, na, auf sein Konto zahlen.

Daniela: Ich schreib’ mir das auf zum Weitergehen.

FORVM: Warum?

Daniela: Weil i des selber nimmer mach’. Waßt Du die Kontonummer nicht?

FORVM: Na, den Herbert müßte ich anrufen. Mach ich’s über den Herbert.

Daniela: Ja.

Daniela serviert wieder eine Bestellung.

FORVM: Glaubst Du, daß des Dein Mann das weiß? Auch nicht, gell?

Daniela: Das kann Dir nur die Karin geben. Die können mi ja jederzeit perlustrieren. Ich hab’ jetzt keine Unterlagen mehr im Lokal. Ich hab’ alles in einen Sack rein, Propagandamaterial und lauter so Sochen bei mir im Garten daham g’habt. Ich hab’, damals, wie’s den Gottfried verhaftet haben, alles auf einen Haufen, Gürtel und Hiat und ...

FORVM: Das kannst alles kaufen, offiziell, in jeden Militaria-Handel.

Daniela: Ich hab’ ja schon alle perlustriert, alle, die einekumman san. Waßt eh: Hast was einstecken? Hast was einstecken? Weil die haben damals ein ganzes Waffenlager mit sich geführt, Gasrevolver, Springmesser, Gasspray, und einer hat sogar gehabt eine Handgranate einstecken, a echte. Die habe ich natürlich alle perlustriert und bei mir aufgehoben. Weil in der Fetten hob i den monatelang net gsehgn, den hob i wochenlang net gesehen. Dann hob i a so a Lager gehobt, ein ganzes Arsenal g’wesen. Hätt’ wos schief gehn können. Des hätt’ si auszahlt damals. Hab’ g’sagt, aus Schluß is, weg damit. Den Bendix kennst ja eh auch, nicht? Also de Story vor einem Jahr. Den haben’s doch polizeilich gesucht. Im Fernseh’n, in der Zeitung, den haben’s überall g’suacht.

FORVM: G’sucht, ja.

Daniela: Der kummt eine bei der Tür, aber in der totalen Uniform, der hat ja keine Ahnung gehabt, daß ihn suchen. Sag’ ich, heast, wie bist du denn über die Grenz’ kumma? Sagt er, er is, mit einem Bus sans aufeg’foahn und die Bus haben’s nicht kontrolliert.

FORVM: Des war ein Glück.

Daniela: Sagt er, heast, na. Fernsehn und des alles hot er net g’segn g’habt. Hob’ i g’sagt, na heast, du wirst doch gesucht überall. Sagt er, heast na, mi haben sie net kontrolliert. Fernsehen und des hat er alles nicht gesehen gehabt, net. Sag ich zu eam, heast du wirst gesucht wie ein heißer Kartoffel. Sag’ ich, mach’ des so: Da host irgendwas zum Anziagn. Umzogn draußen. Daß d’ ein normales Leiberl anziagst, net. Na waßt eh, umzogn draußen, normales Leiberl, normale Hosen, dann zum Essen hab i eam no was geb’n. Und hob g’sagt, schau, daß d’ von Wien ozischst. Kummt er nach aner halben Stunden, geht er mit so an Käppi. Sag i, wos host denn do? Schau i so eine in des Käppi, liegen da drei, zwa oder drei Handgranaten, a scharfe Tschindarellapuffn. Und ich sag’, ich zu ihm, ja bist du noch zu retten?

FORVM: Das ist ja Wahnsinn.

Daniela: Mit dem kommst du da zu mir! Jetzt kannst da vurstelln, des ist ja a ein Spinner. Also, wenn die nur den verfolgt hätten, angenommen bis da her, und der sich dann nix mehr scheißt, ziagt der o und laßt’s rollen. Des woar ja des Größte damals. Ich hob glaubt, ich spinn. Kummt eine, sagt »Hallo, servas, grüß Euch!« und zeigt mir die Handgranaten. (Lacht hell auf. ) Sag i, spinnst du wirklich? I man des is ja wirklich ... Daß er über die Grenze kumma ist mit dem allem. Das verstehe ich nicht. Den haben sie aber nicht kontrolliert.

FORVM: Zum Glück. Des ist ein absolutes Glück.

Daniela: Komplett schoarf des alles. Dann hob i ma des angeschaut, ein Attrap-penglumpert und so, net. Des woar oba ka Attrappen.

FORVM: Beim Bendix net. Den hob i in Berlin getroffen. Da sind wir ausgraben gegangen.

Daniela: Der Bendix soll angeblich den Binder so belastet haben sollen.

FORVM: Wirklich?

Daniela: Der hat g’sogt, wias eahm verhoft hob’n, hoben s’ irgendwelche Chemikalien g’funden im Auto vom Binder. Weil der wolltert ja die ganzen Waffen durten verschiab’n nach Deutschland, nach Ostdeutschland oder irgendwo hin, net. Hob’ns des g’funden bei ihm. Na der Binder hat, im ‚News‘ is a gstanden, i bin dann nimmermehr persönlich zum Reden kommen, waßt eh. Wann er da herinnen ist, perlustrier’ eahm und drah eahm ja um. Also bei mia kummt der eine — nackert. Und hat eahm so schwer belastet, daß angeblich der Bendix das Material, sprich Chemikalien, eahm besurgt haben sollten in Deutschland. Computerfachmann is er ja und, aber mit solche Sachen, i sog Dir’s ganz ehrlich, i glaub’ des absolut net, weil des san ollas Fälschungen.

FORVM: Fälschungen, finde ich auch. Ich sag’ Dir was, was die Bombe betrifft. Ich hab’ wegen dem in New York recherchieren müssen. Ich kann Dir das zeigen, schriftlich.

Daniela: Ja.

FORVM: Bin ja nicht zufällig da. Ich zeig’s Dir. Hab’ das im Auto.

(Wird privat.)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1995
No. 496-498, Seite 72
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