FORVM » AutorInnen

Lujo Tončić-Sorinj

Beiträge

Lujo Tončić-Sorinj

Die Zukunft der Neutralität

No. 113
Mai
1963

Fritz Bock • Christian Broda • Heinrich Drimmel • Leopold Figl • Alfons Gorbach • Willfried Gredler • Eduard Hartmann • Gottfried Heindl • Josef Klaus • Ernst Koref • Bruno Kreisky • Alois Lugger • Bruno Pittermann • Karl Schleinzer • Lujo Tončić-Sorinj • Hermann Withalm

Wie lustig ist Politik?

Eine FORVM-Umfrage mit Zeichnungen von Paul Flora
No. 100
April
1962

Lujo Tončić-Sorinj

Vom freien Willen des Abgeordneten

No. 96
Dezember
1961

Lujo Tončić-Sorinj

Finnische Lösung — oder Kolonialismus

No. 36
Dezember
1956

Alfred Mozer • Lujo Tončić-Sorinj

Österreich gehört zu Europa

No. 27
März
1956

Zum Beschluß der österreichischen Regierung, dem Europarat als Vollmitglied beizutreten, haben wir die Äußerungen zweier Politiker erbeten, die uns dazu besonders befugt erscheinen, weil sie mit der Materie besonders verbunden und vertraut sind: Nationalrat Dr. Lujo Toncic-Sorinj, der innerhalb der (...)

Adolf Schärf • Peter Strasser • Lujo Tončić-Sorinj

Der Anschlußgedanke ist tot

No. 11
November
1954

Im Oktoberheft des FORVM wurde der Versuch einer „deutschen Zwischenbilanz“ unternommen und die Politik Adenauers in ihren historischen und aktuellen Zusammenhängen beleuchtet. Seither, vor allem aber seit dem Abschluß der Pariser Konferenz, hat sich das Problem „Deutschland“ in den Vordergrund der (...)

Lujo Tončić-Sorinj bei Wikipedia

Lujo Tončić-Sorinj

Lujo Tončić-Sorinj (* 12. April 1915 in Wien; † 20. Mai 2005 in Salzburg) war ein österreichischer Diplomat und Politiker (ÖVP). 1966 bis 1968 war er österreichischer Außenminister, 1969 bis 1974 Generalsekretär des Europarates.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lujo Tončić-Sorinj war ein Enkel des 1911 als "Edler von Sorinj" geadelten Josip Tončić, der stellvertretender k.u.k. Statthalter in Dalmatien gewesen war. Nach dem Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie ging der Familie mit dem Adelsaufhebungsgesetz 1919 die Nobilitierung wieder verloren. Der Vater von Lujo Tončić-Sorinj war Konsul in Dschidda (Jeddah), sein Großvater mütterlicherseits war Adolf Ritter von Plason de la Woestyne, Hof- und Ministerialrat im k.u.k. Außenministerium.[1]

Lujo Tončić-Sorinj besuchte ein Humanistisches Gymnasium in Salzburg. Nach seinem Studium der Rechte, der Philosophie und der Geschichte der Slawistik an der Universität Wien und der Universität Zagreb unterrichtete er während des Zweiten Weltkrieges Sprachen in der Luftnachrichtentruppe der deutschen Wehrmacht.

Ab 1945 war Tončić-Sorinj Leiter der Politischen Abteilung des Österreichischen Instituts für Wirtschaft und Politik in Salzburg, Mitglied der österreichischen UNESCO-Kommission und der österreichischen Delegation zur Beratenden Versammlung des Europarats. Vom 8. November 1949 bis zum 5. Juni 1966 war er für die ÖVP Abgeordneter zum Nationalrat, vom 19. April 1966 bis zum 19. Jänner 1968 Außenminister in der ÖVP-Regierung unter Kanzler Josef Klaus. In seiner Ägide wurde das Südtirol-Paket inhaltlich konzipiert und ausgehandelt. Mit der von ihm in intensiven Verhandlungen erzielten Ausweitung von 90 auf 136 Kompetenzen für die Südtiroler Landesregierung ("Paket") sowie durch die Etablierung eines auch von Italien akzeptierten sog. "Operationskalenders" zur Umsetzung und Garantie dieser Zusagen gilt Toncic-Sorinj als Vater der Autonomielösung für Südtirol. Auf Basis seiner Arbeiten wurde unter seinem Nachfolger, Außenminister Kurt Waldheim, der Lösungsweg für Südtirol konsequent und erfolgreich zu Ende gegangen.[2]

Zu weiteren Schwerpunkten seiner Arbeit zählt der Ausbau der multilateralen Beziehungen Österreichs zum Europarat und zu den Vereinten Nationen (unter anderem im Wege der Ansiedlung der UNO-Organisationen UNIDO und IAEO in Wien), die Ausarbeitung neuer Grundlinien der österreichischen Außenpolitik gegenüber den Donauländern, die Stärkung der Beziehungen zu den vier Signatarmächten des österreichischen Staatsvertrages sowie den österreichischen Nachbarstaaten, insbesondere ČSSR und Jugoslawien, sowie die Ausarbeitung neuer Richtlinien der österreichischen Politik gegenüber dem Nahen und Fernen Osten, Lateinamerika und Afrika.[3]

Von 1969 bis 1974 bekleidete Tončić-Sorinj das Amt des Generalsekretärs des Europarats.

Einen wichtigen Beitrag für die Anerkennung der Unabhängigkeit Kroatiens leistete Tončić-Sorinj ab Juni 1990 durch Vertretung der Kroatischen Regierung in Europa und gegenüber der Europäischen Institutionen.[4]

1992 beantragte er „aus Verbundenheit mit Dalmatien“ die kroatische Staatsbürgerschaft. Eine nach damaliger Rechtslage durchaus übliche Genehmigung einer Doppelstaatsbürgerschaft wurde ihm jedoch von der damaligen Regierung nach einiger Zeit verwehrt, wodurch er die österreichische Staatsbürgerschaft und seine Pension verlieren sollte. Nachdem er Dokumente vorgelegt hatte, welche die Unrechtmäßigkeit der erworbenen kroatischen Staatsbürgerschaft bewiesen, konnte Lujo Tončić-Sorinj Österreicher bleiben.[5]

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Tončić-Sorinj [war mir] Leit- und Vorbild [...]. Auf Grund seiner familiären Abstammung und seiner Ausbildung in Wien, Zagreb und Paris hat er Europa stets in seiner Gesamtheit gesehen und diese Gesamtheit auch gelebt.“

Nationalratspräsident Andreas Khol: Würdigung Tončić-Sorinj anlässlich dessen Ablebens, 2005.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982: Erfüllte Träume. Kroatien. Österreich. Europa., Amalthea Verlag, Wien
  • 1988: Albanien. Grösse und Tragik der Skipedaren., Knoth Verlag, Melle
  • 1991: Am Abgrund vorbei. Die Überwindung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts., Julius Raab Stiftung für Forschung und Bildung und Politische Akademie, Wien
  • 1998: Usamljena borba Hrvatske: Od pobjede jezika do pobjede oružja, Hrvatska sveucilisna naklada/Hrvatski institut za povijest, Zagreb
  • 2002: Die Welt der Kroaten am Beginn des dritten Jahrtausends, Verlagsbuchhandlung Ulricke Šulek, Brühl

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William D. Godsey: Aristocratic Redoubt: The Austro-Hungarian Foreign Office on the Eve of the First World War. USA, 1999, S. 38ff.
  2. Reinhard Meier-Walser: Die Außenpolitik der monocoloren Regierung Klaus in Österreich 1966-1970. München, 1988, S. 132ff.
  3. Michael Gehler: Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik: Band 1. Innsbruck, 2005, S. 325ff.
  4. Lujo Tončić-Sorinj: Die Welt der Kroaten am Beginn des dritten Jahrtausends. Brühl, 2002, S. 132 und S. 141ff.
  5. a b Früherer Außenminister Toncic-Sorinj verstorben im Standard vom 23. Mai 2005 abgerufen am 9. Februar 2013

Diese Seite weiterempfehlen

Werbung