FORVM » AutorInnen

Herbert Schambeck

Dozent an der Wiener Rechtsfakultät. Er war mehrere Jahre Assistent des Staatsrechtslehrers Prof. Dr. Adolf Merkl und habilitierte sich mit dem im Verlag Springer, Wien, erschienenen Buch „Der Begriff der Natur der Sache“. Für seine Publikationen erhielt Schambeck 1962 den Kardinal Theodor Innitzer-Preis und 1965 den Leopold Kunschak-Preis.

Beiträge

Herbert Schambeck

Parteiadelsrepublik Österreich

No. 143
November
1965

Herbert Schambeck bei Wikipedia

Herbert Schambeck (* 12. Juli 1934 in Baden (Niederösterreich)) ist ein österreichischer Rechtswissenschaftler und Politiker (ÖVP). Er war Präsident des österreichischen Bundesrates 1988, 1992 und 1997.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schambeck studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien. 1958 wurde er zum Dr. iur. promoviert. Nach Tätigkeiten im Gericht wurde er 1959 Assistent und 1964 Dozent an der Universität Wien. 1965 wurde er Rechtskonsulent in der wissenschaftlichen Abteilung der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft in Wien.

1966 wurde Schambeck zum außerordentlichen Universitätsprofessor an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ernannt. Nach einer Gastprofessor an der University of Notre Dame in South Bend (Indiana), USA, 1967 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Universitätsprofessor auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht, politische Wissenschaften und Rechtsphilosophie an der heutigen Johannes Kepler Universität Linz. 2002 wurde er emeritiert. Er hielt Gastvorlesungen an zahlreichen Universitäten in aller Welt.

Schambeck gehörte als Vertreter des Bundeslandes Niederösterreich von 1969 bis 1997 dem Bundesrat, der Länderkammer des österreichischen Parlaments, an, ab 1975 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden durch Mandatsniederlegung am 30. Juni 1997 in Präsidentenfunktionen und als Vorsitzender der ÖVP-Fraktion.

Schambeck war Mitglied des Bundesparteivorstandes und des Niederösterreichischen Landesparteivorstandes der ÖVP, Hauptbezirksparteiobmann der ÖVP Baden, Mitglied des Bundesvorstandes des ÖAAB, des Landesvorstandes des ÖAAB Niederösterreich, Vorsitzender der Bundesratsfraktion des Parlamentsklubs der ÖVP 1975 bis 1997.

Herbert Schambeck ist seit 1955 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.St.V. Rudolfina Wien im ÖCV. Später wurde er noch Mitglied der KAV Capitolina Rom im CV. Schambeck wird seit den 1980er Jahren als Förderer und mögliches Mitglied des Opus Dei wahrgenommen;[1] der Opus-Dei-Forscher Peter Hertel rechnete ihn in den 2000er Jahren neben Klaus Küng, Christoph Schönborn und dem Nationalratsabgeordneten Vincenz Liechtenstein zum Kreis der wichtigen Mitglieder und Sympathisanten des Opus Dei in Österreich.[2] Seinen Einfluss im Vatikan hat Schambeck infolge von Zuwendungen der Republik Österreich an die Vatikanische Bibliothek aufbauen können, mit deren langjährigem Leiter, dem niederösterreichischen Salesianer Alfons Maria Stickler, er ein kirchenpolitisches Einflussnetzwerk unterhielt.[3][4] Nach eigener Aussage ist er auf Einladung des damaligen Nuntius in Wien, Opilio Rossi, seit 1970 für den Vatikan tätig und nahm als dessen ehrenamtlicher Vertreter an zahlreichen internationalen Kongressen und Konferenzen teil. Durch Papst Johannes Paul II. wurde er 1993 zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Familie berufen (bis 2009) und war Gründungsmitglied der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften. Häufig wird ihm unterstellt, die von Johannes Paul II. durchgesetzten, umstrittenen Ernennungen sehr konservativer Bischöfe in Österreich seit Mitte der 1980er Jahre nach dem Ende der Ära des Wiener Erzbischofs Franz König maßgeblich eingefädelt zu haben, was er selbst allerdings vehement bestreitet.[3] Der österreichische Pastoraltheologe Paul Zulehner hielt auch noch bei der gescheiterten Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof in Linz 2009 unter Papst Benedikt XVI. eine Einflussnahme Schambecks im Hintergrund für denkbar.[5]

Schambeck ist Mitglied der Akademien in Padua, Madrid, Düsseldorf und Mailand sowie der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom und Gentiluomo di Sua Santità im Vatikan, Ehrenmitglied (seit Februar 2015, zuvor ordentliches Mitglied seit Januar 1994) der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften im Vatikan und der Gelehrten Gesellschaft der Tschechischen Republik in Prag sowie Ehrenpräsident der Österreichischen Juristenkommission. Schambeck erhielt neun Ehrendoktorate und ist Honorarprofessor an der Rechtsuniversität der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew.

Schambecks Publikationsliste umfasst über 700 Publikationen aus den Bereichen öffentliches Recht, politische Wissenschaften und Rechtsphilosophie. Ein Schwerpunkt seiner Abhandlungen ist das neuere Verfassungsrecht Österreichs, das er unter anderem bei seiner Aufnahme in die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften am 18. Juni 1986 vorstellte.[6]

Viele seiner Veröffentlichungen behandeln grundlegende Fragen von Staat und Recht im Kontext der europäischen Integration aus rechtsphilosophischer, insbesondere naturrechtlicher Perspektive, die er seit seinem ersten Buch Der Begriff der Natur der Sache (1964) in seinen zahlreichen Schriften zur Soziallehre und zum Rechtsverständnis der römisch-katholischen Kirche und deren Bedeutung für die Lehre von den Formen der politischen Organisation und der gesellschaftlichen Ordnung auf nationaler und internationaler Ebene beibehalten hat. Seine Aufnahmevorlesung über Die Schule von Salamanca und ihre Bedeutung heute an der Real Academia de Ciencias Morales y Políticas in Madrid im April 1990, in der er die Tugend als leitendes politisches Handlungsprinzip zu rehabilitieren versucht,[7] wird als Quintessenz dieser Sichtweise wahrgenommen. Zunächst ein Schüler von Adolf Merkl, gilt Schambeck als Vertreter der naturrechtlich-universalistischen Völkerrechtsschule von Alfred Verdross, auf dessen Empfehlung er Mitte der 1960er Jahre für kurze Zeit wissenschaftlicher Assistent von Stephan Verosta war. Sein Essay über Alfred Verdross als Rechtsphilosoph und die Wiener Rechtstheoretische Schule[8] (zu der Hans Kelsen, Adolf Merkl und Verdross gerechnet werden[9]) bringt diese Zugehörigkeit zum Ausdruck.[10]

Positionen im Bundesrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Mitglied des Bundesrates von 1969 bis 1997 hatte Schambeck folgende Positionen inne:

  • Stellvertretender Vorsitzender des Bundesrates 1975–1987
  • Vorsitzender des Bundesrates 1988
  • Vizepräsident des Bundesrates 1988–1992
  • Präsident des Bundesrates 1992
  • Vorsitzender der 14. Bundesversammlung 1992
  • Vizepräsident des Bundesrates 1993–1996
  • Präsident des Bundesrates 1997

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor
  • Der Begriff der Natur der Sache, 1964
  • Das Volksbegehren, 1971
  • Kirche-Staat-Gesellschaft, 1967
  • Grundrechte und Sozialordnung, 1969
  • Vom Sinnwandel des Rechtsstaates, 1970
  • Die Ministerverantwortlichkeit, 1971
  • Richteramt und Ethik, 1982
  • Ethik und Staat, 1986
  • Kirche, Staat und Demokratie, 1992
  • Europäische Integration und Österreichischer Föderalismus, 1993
  • Recht-Glaube-Staat, 1994
  • Das österreichische Regierungssystem – ein Verfassungsvergleich, 1995
  • Regierung und Kontrolle in Österreich, 1997
  • Zu Politik und Recht, 1999
  • Der Staat und seine Ordnung, 2002
  • Politik in Theorie und Praxis, 2004
  • Kirche Politik und Recht, 2013
  • Sein und Sollen, Grundfragen der Philosophie des Rechtes und des Staates, 2014
  • Beiträge zum Verfassungs- und Europarecht, 2014
  • Von Bologna über Brüssel nach Lissabon. Der Weg des Rechts in dem sich integrierenden Europa, 2016
Herausgeber
  • Kirche und Staat, 1976
  • Pius XII. zum Gedächtnis, 1977
  • Das österreichische Bundes-Verfassungsgesetz und seine Entwicklung, 1980
  • Österreichs Parlamentarismus – Werden und System, 1986
  • Föderalismus und Parlamentarismus in Österreich, 1993
  • Bundesstaat und Bundesrat in Österreich, 1997
  • Die Wiener rechtstheoretische Schule, Schriften von Hans Kelsen, Adolf Merkl und Alfred Verdross herausgegeben gemeinsam mit Hans R. Klecatsky und René Marcic †, 1968, 2010

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brigitte Schliermann: Die katholische Kirche und katholische Organisationen. In: Mechthild Bock, Theresia Degener, Barbara Ritter, Helga Satzinger u. a. (Autorinnen); Frauen gegen den § 218 – Bundesweite Koordination (Hrsg.): Vorsicht Lebensschützer. Die Macht der organisierten Abtreibungsgegner. Konkret-Literatur-Verlag, Hamburg 1991, ISBN 978-3-8945-8107-7, S. 11–35, hier: S. 26.
  2. Peter Hertel: Schleichende Übernahme. Das Opus Dei unter Papst Benedikt XVI. Publik-Forum Verlag, Oberursel 2007, ISBN 978-3-88095-161-7, S. 212.
  3. a b Paul M. Zulehner: Mitgift. Autobiografisches anderer Art. Patmos Verlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-8436-0542-7, S. 113–116.
  4. Erwin Brunner, Joachim Riedl: Die vatikanische Belagerung. Wie die Papstkirche Österreich wieder in die Zucht nehmen will. In: Die Zeit 17/1987 (17. April 1987), abgerufen am 28. Dezember 2018.
  5. Kritiker froh über Wagners Aufgeben. In: Der Standard, 15. Februar 2009, abgerufen am 28. Dezember 2018.
  6. Herbert Schambeck: Das österreichische Regierungssystem. Ein Verfassungsvergleich. Aktualisierte Fassung: Juni 1995. Schriftenreihe der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Vorträge G 337, Westdeutscher Verlag, Opladen 1996. Ähnlich: ders.: La influencia de los instrumentos internacionales de Derechos Humanos en la Constitución austríaca. Un efecto a largo plazo de los principios de Derecho internacional desarrollados por Francisco de Vitoria. In: José María Beneyto, Carmen Román Vaca (Hrsg.): New Perspectives on Francisco de Vitoria. Does International Law lie at the heart of the origin of the modern world? CEU Ediciones, Madrid 2014, ISBN 978-84-15949-63-3, Kap. 5.
  7. Víctor García Hoz (1911–1998): A contracorriente. In: El Sol (Madrid), 26. Juni 1990, abgerufen am 28. Dezember 2018 (Quelle: Historisches Archiv des Opus Dei).
  8. Herbert Schambeck: Alfred Verdross als Rechtsphilosoph und die Wiener Rechtstheoretische Schule. In: Peter Fischer u. a. (Hrsg.): Die Welt im Spannungsfeld zwischen Regionalisierung und Globalisierung. Festschrift für Heribert Franz Köck, Wien 2009, ISBN 978-3-7073-1165-5, S. 527–542.
  9. Bruno Simma: Alfred Verdross (1890–1980). In: Peter Häberle, Michael Kilian, Heinrich Amadeus Wolff (Hrsg.): Staatsrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. Deutschland – Österreich – Schweiz. 2. Auflage, De Gruyter, Berlin u. a. 2018, ISBN 978-3-11-054145-8, S. 417–428 (hier: S. 418).
  10. Für den gesamten Absatz: Heribert Franz Koeck: The Impact of Francisco de Vitoria’s International Legal Doctrine Upon the “Vienna School of International Law and Legal Philosophy” of the Twentieth Century. In: José María Beneyto, Carmen Román Vaca (Hrsg.): New Perspectives on Francisco de Vitoria. Does International Law lie at the heart of the origin of the modern world? CEU Ediciones, Madrid 2014, Kap. 4, S. 123 (?)
  11. a b c d Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Helga Hieden-SommerPräsident des Österreichischen Bundesrats
1. Jänner 1988 – 30. Juni 1988
Erwin Köstler
VorgängerAmtNachfolger
Dietmar WedenigPräsident des Österreichischen Bundesrats
1. Juli 1992 – 31. Dezember 1992
Erich Holzinger
VorgängerAmtNachfolger
Josef PfeiferPräsident des Österreichischen Bundesrats
1. Jänner 1997 – 30. Juni 1997
Günther Hummer

Diese Seite weiterempfehlen

Werbung