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Fernando Arrabal

1932 in Melilla (ehemals Spanisch-Marokko) geboren, studierte er fünf Semester Jura und begann 1950 in Madrid Gedichte und Theaterstücke zu schreiben. 1955, wegen zunehmender Schwierigkeiten mit der spanischen Zensur, siedelte er nach Paris über, wo er seitdem lebt. Er ist seit über zehn Jahren verheiratet und seit Jänner dieses Jahres Vater einer Tochter.

Das sind äußerliche Daten einer Biographie, aus denen nicht unbedingt ein phantastisches, oder besser: verworrenes, Leben resultieren muß. Aber im Leben Arrabals gibt es heftige Eindrücke und Einschnitte. Da sind vor allem seine sehr katholische Kindheit und seine Eltern. Als Fernando Arrabal drei Jahre alt war, haben Frankisten seinen Vater, der als Offizier auf der Seite der Republikaner stand, verhaftet. Arrabals Mutter hingegen war eine fanatische Frankistin, die ihrem Mann nicht gestattete, sich bei der Verhaftung von seinen Kindern zu verabschieden. Sie verbot später auch den Kindern, den Vater gesprächsweise überhaupt zu erwähnen. Arrabals Vater wurde zum Tode verurteilt, wieder begnadigt und blieb doch im Gefängnis. 1942 flüchtete der Vater im Schlafanzug aus dem Gefängnis von Burgos — und ward seither nicht mehr gesehen. Arrabal hat 1961 versucht, seinen Vater zu finden; ohne Ergebnis.

1967 reiste Arrabal abermals nach Spanien und tat dort seinen bekannten Ausspruch: „Ich pfeife auf Gott, das Vaterland und den Rest.“ Wegen dieser Äußerung ist er auch in Madrid verhaftet worden. Proteste prominenter französischer Schriftsteller bewirkten seine Freilassung. Kurz danach schrieb er sein bis heute bekanntes Stück „Garten der Liiste“.

Beiträge

Fernando Arrabal • Wilhelm Genazino • Alice Schwarzer

Göttlicher Orgasmus

Gespräch
No. 197/II
Mai
1970

Fernando Arrabal bei Wikipedia

Fernando Arrabal nach einem Vortrag anlässlich des Erlanger ARENA-Festivals im Juni 2008

Fernando Arrabal Terán (* 11. August 1932 in Melilla, Spanien) ist ein spanisch-französischer Schriftsteller, Dichter und Dramatiker des absurden Theaters.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lesen und Schreiben lernte Fernando Arrabal in Ciudad Rodrigo bei Salamanca. Er wurde mit zehn Jahren als hochbegabt ausgezeichnet und studierte an der Universität Complutense Madrid.

Nachhaltige Spuren hinterließ das mysteriöse Verschwinden des Vaters, der nach seinem Todesurteil geflohen war. Der Dichter Vicente Aleixandre sieht das gesamte Werk Arrabals als – infolge eines Traumas – von einem moralischen Licht geprägt.

1956 ging Arrabal nach Paris ins Exil.

Arrabal drehte sieben Langspielfilme und publizierte etwa 100 Theaterstücke, 700 Gedichtbände, viele Essays und den bekannten Brief an General Franco zu dessen Lebzeiten. Sein dramatisches Werk (in Spanien in zwei Bänden über 2000 Seiten) Colección Clásicos Castellanos des Verlags Espasa wurde vielfach übersetzt (in Frankreich beim Verlag Christian Bourgois und Actes Sud).

Arrabal war Mitbegründer des „Mouvement Panique“ mit Roland Topor und Alejandro Jodorowsky. Seit 1990 ist er „Transcendent Satrape“ (Außerordentlicher Satrap) des „Collège de ’Pataphysique“.

„Ein verrücktes, brutales, spritziges, lustvoll provozierendes Theater. Ein dramaturgisches Potlatsch, wo sich das Gerippe unserer ‘Fortschritts’-Gesellschaft verkohlt auf der feierlichen Rampe in einer permanenten Revolution befindet. Von Kafka erbte er die Klarheit, von Jarry den Humor. Die Heftigkeit hat er von de Sade und Artaud. Mit seinem Hohn ist er jedoch am weitesten gegangen. Tief politisch und fröhlich spielerisch, revoltierend und boheme ist dieser ein Syndrom von Stacheldraht und Goulags unseres Jahrhunderts.“

– Eine Art des Aufschubs.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obgleich er einer der umstrittensten Autoren seiner Zeit war, erfuhr Arrabals Werk weltweit Anerkennung.

  • Großer Theaterpreis der Academie Française,
  • Romanpreis Nabakov,
  • Prix Espasa d’essai,
  • Prix World Theater etc.
  • Prix Nadal du Roman (1982 für La torre herida por el rayo)

Camilo José Cela nominierte ihn für die Endrunde des Cervantespreis. Nach „Le Mage“ soll er für den Nobelpreis u. a. von Francisco Torres Monreal von der Universität Murci nominiert worden sein.

Am 14. Juli 2005 wurde ihm die Mitgliedschaft der Ehrenlegion verliehen.

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Baal Babylone. (1959)
  • L’enterrement de la sardine.
  • Fêtes et rites de la confusion. (Le Terrain Vague, 1967) (Riten und Feste der Konfusion, Josef Melzer Verlag, 1969)
  • El mono.
  • La tour prends garde. (Originalausgabe: "La torre herida por el rayo": Ediciones Destino SA, Madrid 1983)
  • La vierge rouge.
  • La fille de King-Kong.
  • La tueuse du jardin d’hiver.
  • Lévitation.
  • Porté disparu.
  • L’extravagante croisade d’un castrat amoureux.
  • Lévitation.
  • Champagne pour tous.

Poetisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Humbles Paradis
  • Pierre de la Folie

Dramatisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arrabal publizierte hundert Theaterstücke in 19 Bänden weltweit
  • Le Tricycle. (1953)
  • Fando et Lis. (1955)
  • Pique-nique en campagne. (1959), erste Opernfassung "Picknick im Felde" von Otfried Büsing (UA Musikhochschule Freiburg 1997, Verlag edition gravis, Berlin), zweite Opernfassung Picknick im Felde von Constantinos Stylianou, UA 20. Februar 2009 Landestheater Linz
  • Guernica. (1959)
  • La Bicyclette du condamné. (1959)
  • Le Grand Cérémonial. (1963)
  • L’Architecte et l’Empereur d’Assyrie. (1966) (Der Architekt und der Kaiser von Assyrien, Kiepenheuer & Witsch, 1971, Pocket 19)
  • La communion solennelle. (1967) (Feierliche Kommunion, Kiepenheuer & Witsch, 1971, Pocket 19)
  • Les amours impossibles. (Die unmöglichen Liebschaften, Kiepenheuer & Witsch, 1971, Pocket 19)
  • Et ils passèrent des memottes aux fleurs. (Und sie legen den Blumen Handschellen an, Kiepenheuer & Witsch, 1971, Pocket 19)
  • Le Jardin des délices. (1967)
  • Le Labyrinthe. (1967) (Das Labyrinth, enthalten in Schwarzes Theater, Hermann Luchterhand Verlag, 1963)
  • L’Aurore rouge et noire. (1968)
  • Bestialité érotique. (1968)
  • Le Ciel et la Merde. (1972)
  • Le Cimetière des voitures. (1959)
  • La nuit est aussi un soleil
  • Jeunes barbares d’aujourd’hui
  • ...Et ils passèrent des menottes aux fleurs
  • La tour de Babel
  • Inquisition
  • Les délices de la chair
  • La traversée de l’empire
  • Lettre d’amour (comme un supplice chinois)
  • „L’Architect et l’Empéreur d’Assyrie“, Der Architekt und der Kaiser von Assyrien, geschrieben in der zweiten Schaffensperiode als Dramaturg, ist eines seiner wichtigsten Stücke.

Arrabal ist der heutzutage meistgespielte spanische Autor. (siehe Aufführungsliste: www.arrabal.org)

Filmisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968: Vöglein, Vöglein an der Wand (Le grand cérémonial) – Darsteller und literarische Vorlage
  • 1970: Viva la muerte – Es lebe der Tod (Viva la muerte) – literarische Vorlage, Drehbuch und Regie
  • 1973: Ich werde laufen wie ein verrücktes Pferd (J’irai comme un cheval fou) – Drehbuch
  • 1976: Underground and Emigrants – Darsteller
  • 1975: L’Arbre de Guernica. – Drehbuch
  • 1979: Die Hamburger Krankheit – Darsteller
  • 1982: The emperor of Peru. – Drehbuch und Regie
  • 1983: Le Cimetière des voitures. – Darsteller
  • 1992: Adieu Babylone
  • 1982: Das königliche Spiel. (The great chess movie) – Darsteller

Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La dudosa luz del día
  • Un esclave nommé Cervantès
  • Le Gréco
  • Goya-Dalí
  • Bobby Fischer
  • Echecs et mythes
  • Fêtes et défaites sur l’échiquier
  • Les échecs féériques et libertaires
  • Le frénétique du spasme. (1991)
  • Lettre au général Franco
  • Lettre à Fidel Castro. (1984)
  • Lettre à Staline
  • Houellebecq!

Arrabal schreibt seit dreißig Jahren in der französischen Express eine Schach-Kolumne.

Seine „Arrabalesken“ erscheinen jeden Sonntag in El Mundo.

Er verfasst häufig den Leitartikel (la tercera) für ABC.

Von Zeit zu Zeit schreibt er in El País.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fernando Arrabal Terán, in: Internationales Biographisches Archiv 34/2009 vom 18. August 2009, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fernando Arrabal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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