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Erich Heintel

Ordinarius für Philosophie an der Universität Wien, darf als einer der gründlichsten Fichte-Kenner der Gegenwart gelten.

Beiträge

Erich Heintel

Freiheit ist keine Ideologie

Zum 200. Geburtstag Johann Gottlieb Fichtes
No. 101
Mai
1962

Erich Heintel bei Wikipedia

Erich Heintel (* 29. März 1912 in Wien; † 25. November 2000 in Schneeberg in Niederösterreich) war ein österreichischer Philosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Promotion (1936) und der Habilitation (1939) war er wissenschaftlich tätig, arbeitete für die heerespsychologische Personalprüfstelle und wurde am 1. Juli 1940 Mitglied der NSDAP[1]. Ab 1952 wirkte Heintel als außerordentlicher und von 1960 bis 1982 als ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Wien.

Philosophische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heintel sieht Philosophie als fortwährende Prinzipienwissenschaft europäischer Tradition (d. h. als philosophia perennis). Sie müsse die Voraussetzungsproblematik alles Wissens und Erkennens reflektieren, und zwar von der empirischen Forschung bis hin zur Theologie. Auch müsse sie Sinn und Grenzen ihres eigenen Vorgehens stets mitbedenken.

In Heintels Philosophie gibt es Platz für eine „Versöhnung“ von ontologischem Wissen bzw. Substanzmetaphysik mit der neuzeitlichen Transzendentalphilosophie, wobei die Unterscheidung der Verstehenshorizonte gewahrt bleiben müsse. Der Mensch in seiner Einheit wird als „daseiende Transzendentalität“ begriffen. Auf diese Weise wird die Frage nach dem Begriff des Menschen zum inneren Organisationsprinzip aller philosophischen und theologischen Studien.

Der Nachlass Heintels ist im Universitätsarchiv Wien in 239 Archivkartons dokumentiert. 1500 Tonträger mit Vorlesungsmitschnitten wurden in den Jahren 2005 bis 2010 katalogisiert, sie sind zum Teil im Umfang von 420 Stunden digitalisiert. Der Nachlass ist bis zum Jahr 2030 gesperrt, für Forschungsanliegen kann diese Sperre aufgehoben werden. Die Digitalisate und die Tonträgersammlung wurden 2015 an die Bibliothek des Institutes für Philosophie der Universität Wien zur Langzeitarchivierung übergeben. Die Bibliothek Heintels wurde von seinem Sohn und Erben Peter Heintel teilweise der Universität Klagenfurt übergeben.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nietzsches „System“ in seinen Grundbegriffen. Eine prinzipielle Untersuchung. Felix Meiner, Leipzig 1939.
  • Vom Wesen des Gemüts (Mit einem stammeskundlichen Anhang: Die „Gemüthaftigkeit“ des Wieners), in: Wehrpsychologische Mitteilungen III.6, Seite 7–32, Juni 1941.
  • Metabiologie und Wirklichkeitsphilosophie, in: Bios, Band 16, 1944.
  • Der Wiener Kreis und die Dialektik der Erfahrung, 1949.
  • Sprachphilosophie. In: Wolfgang Stammler (Hrsg.): Deutsche Philologie im Aufriss. Erich Schmidt, Berlin/Bielefeld/München 1951.
  • Hegel und die analogia entis, Bonn 1958.
  • Gegenstandskonstitution und sprachliches Weltbild, 1959.
  • Die beiden Labyrinthe der Philosophie. Systemtheoretische Betrachtungen zur Fundamentalphilosophie des abendländischen Denkens, 1. Band, Wien-München 1968.
  • Grundriss der Dialektik. 1. Band: Zwischen Wissenschaftstheorie und Theologie, Darmstadt 1984.
  • Grundriss der Dialektik. 2. Band: Zum Logos der Dialektik und zu seiner Logik, Darmstadt 1984.
  • Die Stellung der Philosophie in der „Universitas Litterarum“, 1990.
  • Was kann ich wissen - was soll ich tun - was darf ich hoffen, 1990.
  • Einführung in die Sprachphilosophie, 1991 (4. Aufl.)
Werkausgabe
  • Gesammelte Abhandlungen, 9 Bde., Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1988–2001, ISBN 978-3-7728-0914-9

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joh. Gottfr. Herder´s Sprachphilosophie. Ausgewählte Schriften. (Hrsg.) Meiner, Philosophische Bibliothek Band 248. Hamburg 1960.
  • 1965–1982 Reihe Überlieferung und Aufgabe. Abhandlungen zur Geschichte und Systematik der europäischen Philosophie (XXII Bde.)
  • 1968 bis 1986 Wiener Jahrbuch für Philosophie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Dieter Klein und Johann Reikerstorfer (Hg.): Philosophia perennis. Erich Heintel zum 80. Geburtstag. 2 Bde., Frankfurt u. a. 1993

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. George Leaman: Die Universitätsphilosophen der „Ostmark“. In: FORVM, Jahrgang XLI, Nr. 481–484, Heft April 1994, Seite 25–31; wieder in: Michael Benedikt, Reinhold Knoll, Cornelius Zehetner (Hrsg.) und Endre Kiss (Mitarbeit): Verdrängter Humanismus – verzögerte Aufklärung. Philosophie in Österreich 1920–1951, Wien (WUV Facultas Verlag) Band V, S. 1133 ff., hier S. 1143.
  2. Nachlass im Universitätsarchiv Wien (abgerufen 25. August 2018).
  3. Untertitel: Veröffentlichungen - Selbstzeugnisse - Berichte, Österr. Akademie d. Wiss., Kommission für Philosophie und Pädagogik, Wien 1992 (Aktualisierte Wiedergabe in: H.-D. Klein u. J. Reikerstorfer (Hrsg.), Philosophia perennis, Teil 2, Frankfurt/Main 1993, S. 413–468). Überarbeitet und ergänzt von Waltraud Heintel und Reinhard Hochhold 2005.

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